Herr Hartmannsgruber, Sie beschäftigen sich seit Jahren mit der Entwicklung multifunktionaler Einrichtung, vom bewegbaren Küchenmodul bis hin zum Thema Ambient Assisted Living. Wie realistisch und sinnvoll sind Smart Home Lösungen im Wohnbereich? Ist das reine Zukunftsmusik und unnötige Technikspielerei?

Überhaupt nicht! Es ist erstaunlich, was smarte, vernetzte Wohnkonzepte und Produkte heute schon Positives leisten. Es ist nicht die Technologie, sondern der Gewinn an Lebensqualität, der die Kunden interessiert. Smart Living-Lösungen werden konzipiert, um Menschen bei ihren täglichen Arbeitsabläufen zu unterstützen, ihnen ein längeres autarkes Wohnen in ihren eigenen vier Wänden zu ermöglichen und mehr Zeit zu schenken.

Stellen Sie sich vor, wir müssten Wäsche noch von Hand waschen! Heute gibt es viele nicht mehr wegzudenkende Haushaltshilfen von der Wasch- bis hin zur Spülmaschine, die uns Arbeitsentlastung und Zeitgewinn bringen.

Es ist doch toll, wenn man morgens über seine Smartphone-App schon den Kaffee durchlaufen lassen kann, während man den Kindern noch beim Zähneputzen und Anziehen hilft.

Stimmt. Aber warum genau müssen Küchen- oder auch Badmöbel bewegbar sein?

Nicht nur Lebenspartner unterschiedlicher Körpergröße, sind für ein ergonomisch verstellbares Küchenmodul dankbar, fragt man Familien mit Kindern, Menschen mit körperlichen Beeinträchtigungen oder ältere Personen, beantwortet sich die Frage nach dem Nutzen von ergonomischen und smarten Lösungen ganz von selbst.

Wir sorgen dafür, dass sich die Einrichtung den Menschen  anpasst und nicht umgekehrt – Stichwort Barrierefreiheit. Daher wird ein solcher Umbau auch mit staatlichen Mitteln, mit bis zu 4.000 Euro, finanziell gefördert.

Häufig kommt die Frage auf, ob ein vernetztes Zuhause denn sicher ist?

Der Sicherheitsaspekt ist sogar ein entscheidender Vorteil smarter Konzepte! Mit der Einführung des Rauchmelders stieg die Akzeptanz von Sicherheitstechnik im eigenen Haus. Mittlerweile gibt es auch Wasser-Stopp-Systeme: Im Falle eines drohenden Wasserschadens, erfolgt eine Warnung an die Benutzer sowie gleichzeitiger Stopp der Wasserzufuhr an der betroffenen Stelle. Wichtig bei rund 3500 Wasserschäden pro Tag in Deutschland! Oder ein Sensor-Fußboden erkennt den Sturz eines Bewohners und alarmiert den Notruf.

Neue Technik wird immer auch von Skepsis begleitet – „das Unbekannte“ zu hinterfragen liegt in der Natur des Menschen und es ist grundsätzlich auch richtig. Überwiegen jedoch Nutzen und Mehrwert, setzen sich technische Entwicklungen durch. Denken Sie an die Erfindung des Personenkraftwagens. Eine wichtige Erkenntnis ist, dass Menschen gern autonom sind und bleiben möchten – hinzu kommt der demographische Wandel. Wir entwickeln Lösungen, durch die wir länger die Kontrolle und Autonomie behalten.

Wie stellen Hersteller und der Handel sicher, dass gewisse Qualitäts-Standards eingehalten und die Kunden im Problemfall nicht mit komplizierter Technik allein gelassen werden?

Daran arbeiten wir mit mehreren Unternehmen gemeinsam. Schon 2007 wurde ein Verein gegründet, der sich mit dem Thema Connected Living beschäftigt. Auf Workshops und Fachkongressen tauschen sich hier Hersteller aus dem Bereich Wohnen, Mobilität, Gesundheit, Versicherung sowie Stadtentwicklung und auch Institutionen, wie das renommierte Frauenhofer Institut aus, um ganzheitliche,branchenübergreifenden Lösungen zu entwickeln und die hohe Qualität zu gewährleisten.

Es gibt ein hochqualifiziertes Partnernetzwerk welche die professionelle Beratung und Installation sicherstellt, sowie den dazu gehörigen Kundenservice. Wir entwickeln Lösungen, die multikompatibel und energieeffizient sind, mehr Sicherheit schaffen und Themen wie Ergonomie und Nachhaltigkeit berücksichtigen.