„Oldschool“ heißt das neue Album. Wie kam es zu diesem Titel?

Auf den passenden Albumtitel für ein neues Werk zu kommen, ist ein ähnlicher Prozess, wie für die eigenen Kinder den richtigen Namen zu finden. Oft kommt spontan was um die Ecke, wenn ich gerade einen Track singe oder im Studio bin und den anderen beim Aufnehmen zuhöre, und manchmal muss man sich auch erst mal eine Weile richtig reinfühlen, bis man es irgendwann endlich hat. Bei „Oldschool“ hat es nicht so lange gedauert

 Es ist das 18. Studioalbum. Können Sie sich noch an die Entstehung des ersten erinnern, an besondere Momente, Ereignisse, Anekdoten?

Die Zeit damals war anders intensiv als heute, und mein allererstes Studioalbum samt Plattenvertrag habe ich ja schon 1978 mit meiner ersten Band „The Stripes“ gemacht, da war ich 18. Wir mussten unsere Boxen noch selber schleppen und das Benzingeld zusammenkratzen. Diese Zeit hat mich oldschoolmäßig vorbereitet auf alles, was danach kam. Ich muss oft selbst darüber schmunzeln, was ich schon so alles erlebt und gesehen habe.

Ich habe keine Tipps zu vergeben, außer diszipliniert das zu tun, was einem Spaß macht. Darum geht es!

Den Moment zu leben, ist eine Botschaft in Ihrem Album. Wie definieren Sie dies? Gibt es Rituale in Ihrem Leben, besondere Motivation, einen Trick – etwas, das Ihnen hilft, das Hier und Jetzt zu schätzen?

Wir brauchen keine Tricks, wir leben sowieso im Jetzt, und ich glaube, es geht nur darum, das zu erkennen. Unsere Vergangenheit schwingt in der Gegenwart mit und ist auch ein Teil davon, genauso wie die Zukunft. Keine Zukunft ohne Vergangenheit, für mich gehört das alles zusammen, und daraus ergibt sich ein ganzheitliches Lebensgefühl.

Gegensätze ziehen sich ja bekanntlich an. Sie arbeiten mit Samy Deluxe zusammen. Er ist von außen betrachtet ein Gegenpol zu Ihrer Person. Wie kam es zu dieser Verbindung und was macht sie aus?

Ich betrachte einen Menschen auch gerne von außen, aber nie, ohne auch seine Schwingung wahrzunehmen. Man spürt doch was, wenn man jemandem begegnet. Samy und ich haben uns auf der Herzebene getroffen und waren sofort in der Verbindung. Da wurde nicht groß rumgelabert, wir sind gleich in die Umsetzung gegangen. Samy hat dafür den Anstoß gegeben und kam ungefragt mit ersten Songideen, die mich schon beim ersten Hören beflügelt haben. Ab da waren wir praktisch unzertrennlich (lacht).

Sind noch weitere Projekte mit anderen Künstlern geplant? 

Ich arbeite gerne mit anderen Künstlern, aber ich habe solche Projekte nie geplant. Das ist meistens aus einer zufälligen Begegnung entstanden oder weil man einfach Lust hatte, etwas miteinander zu tun.

Heute Computer, damals analoge Handarbeit. Sehen Sie den heutigen Fortschritt der Technik eher als förder- oder hinderlich in Bezug auf die Planung und Ausführung musikalischer Projekte?

Ist doch herrlich, dass man frei wählen und auch beide Pole wunderschön miteinander kombinieren kann. Spätestens seit „Kraftwerk“ wissen wir, dass elektronische Musik auch durch Körper, Seele, Herz fließen kann und noch mal ganz andere Räume aufmacht.

Mit dieser Sonderausgabe möchten wir vor allem auch junge Menschen dazu motivieren, ihre musikalischen Träume zu leben. Was raten Sie diesen?

Lasst euch nicht reinquatschen, findet euer eigenes Timing, euren eigenen Ton und lasst eure Ideen frei fließen. Menschliche Energie schwingt, und wo geschwungen wird, da fallen Töne. Wir sind Musik!

In Ihrer Position als Coach fördern Sie junge Nachwuchstalente. Der Weg, sich in der musikalischen Welt auszudrücken, ist sicher nicht immer leicht, bedeutet Disziplin und harte Arbeit. Haben Sie Tipps für Eltern sowie auch für Jugendliche, wie sie ihren Traum (aus)leben können – ohne Unter- oder Überforderung?

Ich finde es sogar sehr leicht, sich musikalisch auszudrücken. Das kann JEDER. Und wenn du dich nur an ein altes Klavier setzt und intuitiv auf den Tasten rumhämmerst. Ohne irgendeine Ahnung von Tonleitern und Akkordfolgen zu haben, drückst du dich in dem Moment musikalisch aus.