Das stellte Friedhelm Brusniak in einem Aufsatz über die Weiterbildung eines Lehrers in musikalischer Beziehung im Jahr 1867 fest. Er ahnte wohl nicht, dass sich fast 150 Jahre später rund 1,3 Millionen Mitglieder in der Bundesvereinigung deutscher Musikverbände e.V. (BDMV) der Bläsermusik verschrieben haben.

Über 60 Prozent dieser MusikerInnen sind Jugendliche unter 27 Jahren, die in Vereinen, in Auswahlorchestern unterschiedlicher Leistungsstufen musizieren und sich sozial engagieren. Wie erfolgen hier Talentsuche und -förderung? Ist es mehr als das Erlernen eines Instrumentes und das Spielen im Orchester? Die musikalische Ausbildung befördert die BDMV mit einer ganzen Reihe von Aktivitäten.

„Nachwuchsarbeit und Talentförderung in BDMV und DBJ sind Bausteine eines Komplexes – des gemeinsamen Musizierens mit Achtung und Förderung eines jeden Einzelnen und seines Talents. “

Dies sind unter anderem: 

Schaffung von bundeseinheitlichen Aus- und Weiterbildungsstrukturen im D-, C- und B-Bereich, Organisation von Wettbewerben, Wertungs- und Kritikspielen, Sichtung und Bewertung entsprechender Literaturangebote (Selbstwahlliste), Aus- und Weiterbildung von Dirigenten und Juroren, inhaltliche Zusammenarbeit mit Partnern wie Musikschulverbänden, Musikhochschulen, Deutscher Musikrat usw. auf Bundesebene, Gründung eines Deutschen Bundesjugendblasorchesters.

Mit Partnern wie der GEMA-Stiftung werden außerdem seit dem 5. Deutschen Musikfest 2013 in Chemnitz über Kompositionswettbewerbe verstärkt zeitgenössische Literatur speziell für Blasorchester und Spielleuteformationen und damit junge Komponisten gefördert. In einer innovativen Tonsprache werden für Besetzungen unterschiedlichster Schwierigkeitsgrade neue Werke geschaffen und über die Aufnahme in Auswahllisten in eine belegbare Nachhaltigkeit überführt.

Basis und Arbeitsgrundlage für die musikalische Arbeit bleibt in der Struktur eines Dachverbandes wie der BDMV der Verein. Die Deutsche Bläserjugend (DBJ) als Jugendorganisation der BDMV wendet sich mit neuen Überlegungen und eigenen Projektansätzen der Arbeit und damit auch der Talentförderung in den Musikvereinen zu. 

So ist etwa Inklusion ein Thema, das für Musikvereine immer wichtiger wird. Dabei geht es vorrangig um den Einbezug von Menschen mit Behinderung, aber auch um Diversity, die Anerkennung von Verschiedenheit als Normalzustand. Musikvereine sind ein Ort für alle Menschen. Insbesondere für Kinder und Jugendliche ergeben sich einfache und niedrigschwellige Zugänge. Es geht hier darum, Lehrkräfte und Verantwortliche vor Ort auf diesem Weg zu unterstützen. Dies kann und muss auf verschiedenen Ebenen geschehen.

Die DBJ beispielsweise führt mit Yamaha Music Europe, dem Institut für Musik der Universität Koblenz-Landau, Campus Landau und der Abteilung Schulmusik der Hochschule für Musik an der Johannes Gutenberg-Universität Mainz das Projekt „Vielfalt? Bläser? Klasse!“ durch. Hier liegt der Fokus auf der inklusiven Arbeit in Bläserklassen. Ziel des Projektes ist es, zu zeigen wo heute schon inklusiv gearbeitet wird, was bereits funktioniert und wo es Nachholbedarf oder blinde Flecken gibt.

Ein weiterer wichtiger Punkt ist die Kopplung musikalischer und nicht-musikalischer Angebote. Im Musikverein wird nicht nur musiziert. Auch die qualitativ hochwertige Freizeitgestaltung von Kindern und Jugendlichen bereichert die Vereinsarbeit. Dabei spielen drei Ebenen maßgebliche Rollen: zum ersten sichern die Vereine die Qualität der nicht-musikalischen Angebote durch die Ausbildung von Jugendleitern durch Fachschulungen, zum zweiten wird die Freizeitgestaltung und damit das Vereinsangebot partizipativ erarbeitet und gestaltet.

Junge Menschen entscheiden eigenverantwortlich und selbstorganisiert, was sie gemeinsam tun. Wie ein partizipatives Gesamtkonzept aussehen kann, hat das Modellprojekt TAPE (www.projektensemble.de) der Deutschen Bläserjugend gezeigt. Zum dritten entsteht durch Partizipation die Grundlage für das jugendpolitische Handeln der Vereine. Wie wichtig dies ist, zeigen zum Beispiel die aktuellen Debatten um mehr Freiraum für junge Menschen.

Nachwuchsarbeit und Talentförderung in BDMV und DBJ sind Bausteine eines Komplexes – des gemeinsamen Musizierens mit Achtung und Förderung eines jeden Einzelnen und seines Talents.