Was genau fasziniert Sie an Musikinstrumenten?

Die Faszination kam bei mir durch die Musik. Instrumente waren erst Werkzeug, um sie zu spielen. In meinem Fall Gitarre, dann Klavier. Wissenschaftlich spannend ist unter anderem, wie sich Tasteninstrumente wie Cembali oder Hammerflügel schnell und variantenreich parallel zur Musik entwickelt haben.

Im Laufe der Jahrhunderte hat sich beispielsweise der Tonumfang verändert. Dass sie lauter geworden sind, hat der Interpretation der Stücke allerdings nicht immer gutgetan. Wenn man zum Beispiel eine Sonate von Mozart auf einem Hammerflügel spielt, erlebt man die Musik ganz neu und versteht sie anders. Als Pianist kommen Sie da ins Grübeln.

Was unterscheidet die früheren Instrumente denn von den heutigen?

Obwohl uns Instrumente von früher erhalten sind, werden wir nie wissen, wie sie damals wirklich klangen oder gespielt wurden. Sicher ist, dass sie weniger Volumen hatten. Orchester spielten in kleinerer Besetzung und viel subtiler mit einem silbrigen Klang.

Musikinstrumente sind auch optisch eine Freude. Welche Verbindung gibt es hier zum Klang?

Akustik und Schönheit haben eigentlich wenig miteinander zu tun. Unwissenschaftlich gesprochen, bemerkt man allerdings anhand der Proportionen der historischen Instrumente, dass die sorgfältig hergestellten auch gut sind.

Welchen Stellenwert hat die Herstellung von Musikinstrumenten im digitalen Zeitalter?

Sie ist bereits zurückgegangen, als es Anfang des 20. Jahrhunderts gelang, Musik aufzunehmen. Die Menschen brauchten dann einfach keine Instrumente mehr, um sie zu hören. Auch die goldenen Zeiten des Klavierbaus der 1920er-Jahre sind lange vorbei.

Allerdings wird es gerade in Deutschland, das Vorreiter in der Musikerziehung ist, immer einen Bedarf geben. Das Spielen ist durch nichts zu ersetzen. Die Hirnforschung lehrt uns, dass es zu den schwierigsten Aufgaben gehört, die ein Mensch tun kann. Und wenn Sie so eine Stunde in Musik versinken, kommen Sie heraus wie frisch geboren.