Sie schrieb über das sexualhistorische Museum im Berliner Institut für Sexualwissenschaft von Magnus Hirschfeld, das mit seinen Sammlungen zur Erotik und Sexualität ab 1919 einen Trend erschuf.1928 folgte das Wiener Institut für Sexualforschung seinem Beispiel und spezialisierte sich auf kulturgeschichtliche Bilder-Lexika zur Erotik. Damit erhielt die Erotik eine populäre Geschichte.

Der Siegeszug der Erotik begann bereits im 19. Jahrhundert, als sich auch der moderne Sexualitätsdiskurs herausbildete. Das Zeitalter der technischen Reproduzierbarkeit hat erotische Inszenierungen in Wort und Bild vervielfacht und trotz vieler Widerstände und Zensurbestrebungen zu einem für alle Gesellschaftsklassen erschwinglichen Konsumgut werden lassen.

Erotik wurde unter kapitalistischen Produktionsverhältnissen demokratisiert, ihre geschichtlichen Zeugnisse werden bis heute als Touristenartikel reproduziert und popularisiert und so zum Kanon eines Weltkulturerbes.

Ihren Tausch- und Warencharakter hatten erotische Artefakte schon lange zuvor erlangt, allerdings blieb ihre Verfügbarkeit auf den erlesenen Adressatenkreis einer zunächst höfischen, dann bürgerlichen und akademischen Elite beschränkt.

Was lange Geheimwissen und soziales Privileg war, kann heutzutage im Buchhandel bezogen, in Erotik-Museen besichtigt und auf die Schnelle im Internet recherchiert werden. Die Geschichte der Erotik muss nicht mehr als Kunstgeschichte legitimiert werden, um sie vor der Zensur, der Moral oder dem bürgerlichen Anstand zu rechtfertigen.

Erotik ist zwar immer noch Privatsache, ist aber zugleich eine öffentliche Angelegenheit geworden. Beide Aspekte, das Private und das Öffentliche, gehören zu ihrer Geschichte. Erotik geht von Blicken und Imaginationen aus, und was wir als erotisch wahrnehmen, entspringt nur scheinbar unseren sexuellen Wünschen und Vorlieben.

Die Geschichte der Erotik zeigt allerdings, dass es kulturelle Einbildungen sind, die Geschichten von Sexualisierungen erzählen. Darum unterscheidet sich das, was als erotisch wahrgenommen oder imaginiert wird, in den verschiedenen Epochen, Völkern und Kulturen.

Fruchtbarkeitskulte, die sich geschlechtlicher Abbildungen in paläolithischen Höhlenmalereien und sexualisierter Skulpturen bedienen, gehören zu den ältesten Überlieferungen, die der Geschichte der Erotik gewöhnlich zugeordnet werden. Eros selbst kam erst mit der Antike auf die Welt, zunächst als griechische Gottheit, die den Menschen versprach, in Form erotischer Lust am göttlichen Schöpfungsmythos teilzuhaben.

Dieser spirituellen Denktradition entsprachen auch asiatische Liebeslehren in Indien, Japan und China, welche wie z.B. das indische „Tantra“ lustvolle Körpererfahrung und sinnliche Verzückung als metaphysische Erkenntnis priesen, oder wie das „Kamasutra“-Liebeslehrbuch mit seinen vom Yoga inspirierten Kopulationsanleitungen schon mehr am weltlich-höfischen Genuss orientiert waren.

Im christlichen Abendland, das die Sexualität im Namen der Moral entwertete, erlebte die Geschichte der Erotik einen vielfachen Gezeitenwechsel, der zugleich den kulturellen Wandel der Sexualität(en) und deren gesellschaftlichen Stellenwert spiegelt.

Zu diesen Wellenschlägen zählen die mittelalterlichen Minnelieder, dann die gemalten Nacktheiten in mythologischen Gewändern der Antike und des Christentums, gefolgt von der höfische Galanterie und exzentrischen Libertinage, die züchtigen Ver- und frivolen Enthüllungen des bürgerlichen Zeitalters und schließlich die sogenannte Erotik-Welle in der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert.

In dieser Zeit wurde Sexualität unter naturwissenschaftlichen und psychoanalytischen Geschichtspunkten neu bewertet: erotischer Genuss und sexuelle Lust wurden zum Gradmesser gesunder Sexualität. So wurden beispielsweise das Korsett aufgrund gesundheitlicher Bedenken und der Dildo als Heilmittel gegen „weibliche Hysterie“ empfohlen.

Die Fortschrittlichkeit des modernen Sexualverständnisses war nicht von langer Dauer. Das legendäre Berliner Institut für Sexualwissenschaft und sein Wiener Pendant wurden von den Nationalsozialisten geschlossen und geplündert, ein Großteil ihrer Sammlungen ist seitdem verschollen. In der Nachkriegszeit musste sich Erotik als Sexualaufklärung behaupten und erneut als Kunst tarnen.

Erst die europäische Sex-Welle der 1970er Jahre spülte die als verklemmt, spießig und lustfeindlich empfundene Nachkriegsära hinweg. Sie wurde von einer Generation getragen, welche die Befreiung der Sexualität versprach und die Erotik der Vergnügungs- und Konsumindustrie überließ. So kamen sich Erotik und Sexualität näher.

Die Grenzziehungen zwischen Erotik und Pornographie verschoben sich; die Frage, was Erotik von Sexualität und Pornographie unterscheidet, stellte sich erneut. Diese Frage bestimmt auch noch die Debatten der Gegenwart.