Durch Ihren Beruf sind Sie ständig unterwegs zu spannenden Reisezielen, gleichzeitig sind Sie dadurch aber bestimmt auch selten zu Hause. Was vermissen Sie schneller: das Reisen oder das eigene Zuhause?

Tatsächlich ist man bei einer Airline, die nicht gerade im Low-Cost-Segment angesiedelt ist, gar nicht so viel unterwegs. Ich arbeite in Vollzeit zum Beispiel 14 bis 18 Tage im Monat, die restliche Zeit verbringe ich zu Hause. Nur in wenigen Berufen hat man diesen Luxus. Aber wie gesagt hängt das natürlich stark vom Arbeitgeber ab. Ich persönlich liebe meine Wohnung im trendigen Berlin-Mitte. Dennoch kann ich nicht allzu lange zu Hause verweilen und reise auch privat sehr viel. Wenn ich zu Hause bin, vermisse ich das Reisen, und wenn ich auf Reisen bin, mein Zuhause. Eventuell ist das der Grund, warum ich Pilot geworden und nebenbei ein Blogger bin.

Beruflich tragen Sie natürlich immer Ihre Uniform, die macht schon was her! Welchen Stellenwert hat aber Kleidung und Mode für Sie privat, und wie wichtig ist der Style auf Reisen?

Ich wollte schon immer mal modeln, da ich selbst sehr kreativ bin und ausgefallene Mode liebe. Leider lässt sich das jedoch nur schwer mit dem Beruf eines Piloten kombinieren. Als Jugendlicher habe ich zum Beispiel Autos und Häuser designt. Wäre ich heute kein Pilot, wäre ich wahrscheinlich Designer geworden. Style ist für mich extrem wichtig.

In vergangenen Tagen, als das Fliegen noch nicht günstiger war, als etwa mit dem Taxi zu fahren, haben sich die Menschen für das besondere Ereignis Fliegen noch entsprechend gekleidet. Heute ist das höchstens noch in der Business oder First Class so. IIch habe deshalb bereits vor Längerem auf meinem Instagram-Kanal @PilotPatrick einen Aufruf gestartet, sich für das Fliegen chic zu machen, und ein Bild davon mit dem Hashtag #PilotPatrick-Style zu posten.

Als Pilot kriegt man doch bestimmt auch mal häufiger ein Upgrade, wenn man privat fliegt, oder? Was war bisher Ihr luxuriösester oder exklusivster Flug?

Das ist leider ein Trugschluss. Ich „proceede“ sehr viel in Uniform. Das heißt, mein Dienst endet zum Beispiel im Bahrain, also muss ich mit einem Linienflugzeug zurück nach Berlin fliegen. Ein Upgrade erhält man dabei recht selten. Früher war dies entspannter, heute gibt es strikte Vorgaben, die ein Upgrade nicht so einfach möglich machen. Unter sechs Stunden Flugzeit bucht mein Arbeitgeber ausschließlich Economy Class. Ich buche meine Urlaube allein schon wegen der Planungssicherheit (diese hat man beim Stand-by-Fliegen nicht) ganz regulär und bezahle den vollen Preis.

Obwohl ich bereits First Class bei einer der führenden deutschen Airlines geflogen bin, fand ich meinen Flug in der Business Class mit Qatar bisher am exklusivsten. Der Service war einfach grandios und das Essen ausgezeichnet. Man konnte während des gesamten Fluges nicht nur Snacks, sondern auch warmes Essen bestellen. Service und Komfort in allen Klassen sind Dinge, die unsere europäischen Airlines dringend nachbessern müssen, wenn sie nicht vom Markt gedrängt werden wollen.

Als absoluter Flight-Pro haben Sie doch bestimmt ein paar Reise-Essentials immer dabei, oder? Worauf können Sie nicht verzichten?

Als Pilot sowie Blogger beziehungsweise Vlogger habe ich natürlich jede Menge Sachen dabei, die die meisten anderen Reisenden wahrscheinlich gar nicht benötigen. Für mich daher unverzichtbar sind neben Ausweisdokumenten und Lizenzen diverse Kameras, Objektive, Stative und anderes Equipment. Die Badehose und die Sonnencreme sind natürlich auch immer dabei!

Für viele Menschen ist Fliegen mit Stress verbunden. Da ist zum einen die Angst, etwas vergessen zu haben, und dann das viele Warten an Schaltern, und für einige kommt Flugangst hinzu. Was sind Ihre Tipps für einen entspannten Flug?

Diesem Thema habe ich bereits einen ganzen Blogartikel gewidmet, da ich das immer wieder gefragt werde. Die zwei wichtigsten Punkte sind meines Erachtens eine etablierte Airline mit hohen Standards und die rechtzeitige Anreise zum Flughafen. Wenn man das beachtet, kann eigentlich nichts mehr schiefgehen. Geiz ist nämlich nicht immer geil.

Auf Ihrem Instagram-Kanal findet man viele Fotos von Ihnen in verschiedenen Hotels. Sie könnten mittlerweile bestimmt auch als Hotelkritiker arbeiten, oder? Gibt es da Dinge, auf die Sie aufgrund Ihrer Erfahrung bei Hotels besonders achten oder Wert legen?

Bei den Hotels unterscheide ich natürlich, ob ich nun als Pilot unterwegs bin oder privat beziehungsweise als Blogger. Während meines Dienstes als Pilot erwarte ich lediglich ein sauberes und vor allem ruhiges Hotelzimmer mit guter Anbindung zu Restaurants oder dem Stadtzentrum. Privat hingegen verreise ich allein schon wegen der Bilder und der Erfahrungsberichte für meinen Blog ausschließlich in Fünfsternehotels. Allerdings gibt es auch bei Fünfsternehotels extreme Unterschiede. Am wichtigsten ist mir der persönliche Service, der einen willkommen fühlen lässt.

Wenn man so viel rumkommt wie Sie, dann hat man doch bestimmt Lieblingsreiseziele, oder? Wo war es bis jetzt am schönsten?

Ich bin als Pilot wie auch privat schon viel gereist und habe das Glück, in beiden Funktionen meistens genug Zeit zu haben, die Örtlichkeiten zu erkunden. Für mich war bisher Südafrika ein unvergessliches Highlight: Die malerischen Landschaften auf der „Garden Route“ oder aber auch das moderne Kapstadt selbst, das kulinarisch und kulturell mit jeder europäischen Großstadt mithalten kann. Südafrika ist tatsächlich neben Spanien ein Land, in dem ich mir durchaus vorstellen könnte zu leben.

Wie lange brauchen Sie zum Kofferpacken, und wann wird der Koffer das nächste Mal gepackt?

Meinen Koffer packe ich mittlerweile recht schnell, ich würde sagen, so in circa 30 Minuten. Da ich zurzeit mitten in einer Fortbildung zum Kapitän stecke und mit den Simulatorsitzungen beschäftigt bin, weiß ich noch gar nicht, wohin der nächste echte Flug gehen wird. Eins ist jedoch sicher: Der nächste Flug ist dann nicht mehr als Erster Offizier, sondern als Kapitän!

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