Männer bekommen bei kraftlosem Bindegewebe leichter einen Leistenbruch. – Und beide Geschlechter sind anfälliger für Probleme mit den Bandscheiben sowie für Gelenk- und Rückenschmerzen.

Das Bindegewebe übernimmt verschiedene Aufgaben

Es füllt Zellzwischenräume, schützt und ernährt die Organe, leitet Nervenimpulse und Informationen weiter und dient als eine Art Gleitschicht. Es ist ein echter Allrounder im Körper, was es nicht zuletzt seinen wandlungsfähigen Zellen zu verdanken hat. Sie sind nicht auf bestimmte Funktionen spezialisiert, sind äußerst flexibel und an den unterschiedlichsten Stellen einsetzbar.

Bänder, Knorpel, Knochen, Sehnen, Wirbel, Nervengewebe, Darm und Magen, Haut, Haare, Nägel und isolierendes Gewebe bei Organen und Blutgefäßen bestehen aus Bindegewebe. So wichtig es für den Körper ist, so wenig Beachtung findet es. Nicht selten wird es auf reine Äußerlichkeiten reduziert. „Ist es zu schwach, sind schlaffe Haut und Falten die Folge“, heißt es recht oberflächlich.

Hauptbestandteil Kollagen

Die Konsistenz dieser elementaren Flüssigkeit ist von Ort zu Ort sehr verschieden und reicht von zähflüssigem Gel- zu flüssigem Sol-Zustand. Der selbst schon äußerst variable, flüssige Grundstoff verbindet sich in unterschiedlichen Mengen, je nach Anforderung, mit Kollagenfasern, dem Hauptbestandteil des Bindegewebes: hier wässrig, dort gallertartig, hier dicht und unelastisch, dort hart wie Stein.

Mit zunehmendem Alter nimmt seine Stabilität jedoch ab. Eine der Folgen: die Haut wird schlaffer. Dieser Prozess beginnt nicht erst in der Lebensmitte, wie viele Menschen meinen, sondern kündigt sich bereits im Alter von 20 Jahren an.

Bei Frauen macht sich die Bindegewebsschwäche in Form von Dellen insbesondere an Po, Hüften, Oberschenkeln und Bauch bemerkbar. Die gefürchtete Orangenhaut macht sich breit, auch Cellulite genannt. Die Ursache liegt in den tieferen Schichten der Haut. Ist der Untergrund nicht mehr straff, passt sich die Oberfläche den tieferen Schichten an und wird bei Belastungen schnell rissig und wellig. Später kommen Falten hinzu, die Neigung zu Krampfadern verstärkt sich, Gelenke büßen an Beweglichkeit ein, und Bänder, Sehnen und Muskeln sind weniger belastbar.

80 Prozent der Männer betroffen

„Männer haben von Natur aus ein unzerstörbares Bindegewebe, nur Frauen kämpfen ein Leben lang mit den Begleiterscheinungen von Bindegewebsschwäche.“ So hartnäckig sich dieser Medizin-Mythos hält, so falsch ist er auch. Mindestens 80 Prozent aller Männer erleiden früher oder später Krankheiten als direkte Folge einer angeborenen oder erworbenen Bindegewebsschwäche. Die Liste der daraus resultierenden Leiden ist lang:

  • Jeder zehnte Mann erkrankt irgendwann an Blasenschwäche
  • Jeder siebte Mann leidet unter chronischen Rückenschmerzen
  • Jeder vierte Mann erleidet mindestens einmal im Leben einen Leistenbruch
  • Jeder vierte Mann hat Krampfadern
  • Jeder zweite Mann in Deutschland bekommt mindestens einmal Hämorrhoiden

Richtig ist:

Frauen haben auf Grund ihrer anderen Bindegewebsstruktur ein höheres Risiko für Krankheiten wie Blasenschwäche, Rückenschmerzen oder Krampfadern. Unbestritten ist aber auch: Viele Männer machen diesen genetischen Vorteil dadurch wieder wett, dass sie ihr Bindegewebe hemmungslos den gravierendsten Risikofaktoren wie mangelnder Bewegung, Übergewicht durch falsche Ernährung sowie Missbrauch von Alkohol und Nikotin aussetzen - möglicherweise mit den oben beschriebenen Folgen. Das menschliche Bindegewebe reagiert empfindlich auf schädliche Einflüsse von außen. Mit zunehmendem Alter machen sich die Folgen jahrzehntelangen Fehlverhaltens dann immer stärker bemerkbar.

Dabei ist Vorbeugung so einfach!

Genauso wie das Herz-Kreislauf-System braucht auch das Bindegewebe dringend regelmäßige Bewegung. Schon wenige Kilometer Laufen oder Radfahren in der Woche halten das Bindegewebe stark und flexibel. Muskeln, Sehnen und Gelenke bleiben stark, und die lebenswichtigen Nährstoffe fließen ungehindert.

Eine entscheidende Rolle spielt aber auch die Ernährung

Ballaststoffreiche sowie eiweiß- und vitaminhaltige Kost hält das Bindegewebe gesund. Darüber hinaus kann man dem Bindegewebe über Nahrungsergänzungsmittel gezielt Extra-Vitalstoffe zuführen, wie etwa Aminosäuren, Mineralien, Spurenelemente und Vitamine.