Wie kam es, dass Sie sich, entschlossen haben, das eSports-Leistungs-zentrum zu eröffnen?

Der eSport wächst in den letzten Jahren mit unglaublicher Geschwindigkeit. Schon im Jahre 2015 hatten wir erstmals den Gedanken beziehungsweise das Konzept für ein eigenes „Trainingszentrum“. Hierbei war uns wichtig, den Sprung aus dem bisherigen „Gaminghaus“ – das nur aus einem Raum mit Computern und Unterkünften besteht – in ein wirkliches Leistungszentrum zu schaffen.

Der Fokus lag hier darauf, dass wir die optimale Umgebung für unsere Spieler schaffen, aber auch eine Anlaufstelle für neue Talente und Spieler werden. So kooperieren wir auch mit lokalen Vereinen und bieten kostenlose Trainings in unserer Facility an. Dazu ist es uns sehr wichtig, dass wir gerade durch den Schritt mit dem Bau des eSports-Leistungszentrums den eSport in Deutschland weiter professionalisieren und auf ein Level mit anderen Sportarten wie Fußball oder Handball heben.

Warum haben Sie Berlin als Standort gewählt?

Berlin hat sich in den letzten Jahren als die eSports-Hauptstadt entwickelt. Zum einen haben wir einen der größten Publisher mit seiner eigenen Liga und Studio vor Ort, zum anderen gibt es durch die Games Week, aber auch viele Start-up-Unternehmen viel Action rund um das Thema eSports in unserer Hauptstadt. Bis heute kann ich sagen, dass wir diese Wahl nicht bereuen und weiterhin auf Berlin setzen werden!

Was bieten Sie den Spielern?

Spieler haben die Auswahl, in vier verschiedenen Trainingsräumen zu spielen. Diese sind auf dem neusten Stand, das heißt, wir haben auch in jedem Raum zusätzlich einen Coachplatz, der über zwei Bildschirme verfügt und auch einen eigenen Bildschirm zu Präsentationszwecken besitzt.

Wir sprechen beim eSport schon seit mehreren Jahren von keiner Randgruppe mehr.

Dazu ist es wichtig, dass unsere Spieler in der eigenen Lounge auf über 120 Quadratmetern entspannen, reden und sich besprechen können. Dazu bieten wir an unserer Bar verschiedene Getränke und Snacks an. Zusätzlich arbeiten wir mit einem lokalen Fitnessstudio – praktisch um die Ecke – sowie einem Großhändler für die nötige Verpflegung zusammen.

Dies bedeutet, dass wir auch mal Fast Food haben, aber zu über 90 Prozent auf gesunde Ernährung wie auch Obst und Gemüse setzen. Unsere Kollegen kochen auch gerne selbst für die ganze Truppe, wenn das Haus voll ist. Neben der Ernährung arbeiten wir mit professionellen Sport- und Mentalcoaches zusammen. Gerade den Bereich Food, Fitness und Coaching werden wir in diesem Jahr noch umfangreich ausbauen.

Wofür, außer für das Training, wird das Leistungszentrum noch genutzt?

Natürlich für tolle Events! Wir haben mit Ubisoft einen ersten starken Partner, der begeistert von unserer Location und den Möglichkeiten ist. Wir haben zum Ausbau selbst über 400 Meter Netzwerkkabel verlegt und verfügen über 20 TV-Geräte sowie Beamer und Soundsystem. Dies bedeutet, dass vom Public Viewing bis hin zum eigenen Inhouse-Event alles machbar ist. Auch hier werden wir in den nächsten Monaten weitere Kooperationen vorstellen und jeden Monat viel Action bei uns haben!

Warum braucht Deutschland ein solches eSports-Leistungszentrum?

Deutschland braucht sogar viele eSports-Leistungszentren. Der eSport hat zwar nur circa 17 Jahre Entwicklungszeit und Geschichte auf dem Tacho. Das heißt, wie auch im Fußball brauchen Gamer die richtigen Anlaufstellen und Personen sowie Instanzen, um sich weiterzuentwickeln. Wir sprechen beim eSport schon seit mehreren Jahren von keiner Randgruppe mehr.

Diese Kultur, Szene und Sportart wird sich zu einem Mainstream entwickeln, und gerade Deutschland hinkt in dieser Entwicklung gesellschaftlich stark hinterher. In Polen oder Schweden werden bereits eigene Stadien geplant oder gebaut und es folgen auch solche Leistungszentren oder sind sogar schon vorhanden. Mein Wunsch wäre es, dass wir in fünf bis sieben Jahren in jeder Großstadt in Deutschland solch ein Leistungszentrum haben.

Dazu finde ich diese Einschätzung sehr realistisch. Die neue Generation wird „zocken“ und es wird in der neuen Generation auf Twitch, Youtube und im eSport sich mehr abspielen als noch heute im Wohnzimmer nur am Fernseher.

Wie geht es weiter in der deutschen eSports-Szene?

Die deutsche Szene steuert in eine spannende Entwicklung. Für uns war es deswegen auch so wichtig, eine gewisse Pionierfunktion einzunehmen. Wir sehen weitere Teams beziehungsweise Organisationen, die unserem Beispiel folgen. Auch Investoren aus Europa, Deutschland und den USA fassen Fuß in dem Markt.

Ich hoffe, dass wir 2030 dann schon ein kompletter Teil von Olympia sind.

Wir stehen vor einer sehr langfristigen und nachhaltigen Entwicklung, was diese Branche angeht. Denn die Zielgruppe – im Alter von 14 bis 35 Jahren – ist die Zielgruppe von heute und morgen. Ich sehe es selbst bei mir: Ich bin verheiratet und habe einen kleinen Sohn. Themen wie Sicherheit, ein Auto, Versicherungen bis hin zum Wunsch, ein Haus zu bauen, spielen eine wichtige Rolle in meinem Leben. Dies betrifft auch alle Gamer in und um Deutschland.

Wir wachsen mit der Szene, dem Hobby und unserer Leidenschaft auf, trotzdem konsumieren wir und machen noch viel mehr, als nur jeden Tag die Maus am PC zu schwingen. Somit wird in den nächsten zwei bis drei  Jahren der deutsche Markt einen großen Schritt nach vorne machen, alles andere steht natürlich noch in den Sternen. Aber wir sind bereit dafür, denn darauf haben viele Menschen in den letzten Jahren – in dieser Szene – daraufhin hingearbeitet!

Werden in der Zukunft Turniere im Fernsehen übertragen?

Ich denke, dass wir einige Turniere sehen werden, aber eher neue Formate, die noch besseren Anklang finden. Warum sollte der Gamer von heute das TV anschalten, wenn er schon seit Jahren auf seinem Handy, PC oder Tablet über Twitch und andere Streaminganbieter alle Turniere mitverfolgen kann. Auch die Interaktionsmöglichkeiten sind weitaus höher für die Gamer, wenn sie online Twitch verfolgen, als wenn sie nur die „Glotze“ anmachen.

Was erwarten Sie von den Olympischen Spielen 2022, wo es in Asien zum ersten Mal um olympische Medaillen geht?

Schon fast überfällig, aber ich bin mehr als dankbar dafür! Ich hoffe, dass wir 2030 dann schon ein kompletter Teil von Olympia sind. Denn noch sind die Strukturen nicht so vorhanden wie im Fußball oder anderen Sportarten. Viele deuten dies als Schwäche, ich würde im Gegensatz eher von einer großen Opportunity sprechen.

Denn Olympia könnte damit ein Zeichen setzen und das größte Turnier der Welt, praktisch die offizielle WM austragen. Dies bedarf noch viel Feinarbeit und Abstimmung, aber der Schritt für 2022 ist das beste Zeichen! Und in fünf Jahren ist der eSport schon 30 Schritte weiter, versprochen! Dazu hilft uns die Aufnahme bei der öffentlichen Wahrnehmung und Akzeptanz dieser neuen Sportart, genau dies ist die wichtigste und nächste Hürde, bevor man noch größer träumen beziehungsweise denken kann.