Bis jetzt war „God of War“ ein purer Actiontitel, in dem Hauptcharakter Kratos zahllose Feinde – einige überlebensgroß – mithilfe unzähliger spektakulärer Waffen von traumhaften Orten ins Jenseits beförderte. Eine Storyline gab es zwar irgendwie immer – im Vordergrund stand aber das Kämpfen mit coolen Moves und allen Mitteln. 

Im neuen Teil der Serie gibt es nun erheblich mehr Zeit und Kontext für Figuren und Geschichte. Der Schlüssel zur neuen Story, Achtung Spoiler: Kratos hat einen Sohn. Die Idee, den Helden mit engen Begleitern und Familie auszustatten, ist nicht mehr ganz neu – es sei an dieser Stelle nicht zu viel, aber immerhin verraten, dass das neue God of War ziemlich geschickt damit umgeht. Zum Beispiel hält der alte Kratos erst mal überhaupt nicht viel von seinem kleinen, kränklichen Begleiter. Die eventuelle Skepsis einiger eingefleischter GoW-Fans wird so praktisch antizipiert; und mit der Zeit wird Sohnemann Atreus ein hilfreicher Gefährte, der Spaß macht und das Spiel bereichert.

Neue Perspektive, neue Waffe, neue Welt

Auch das Gameplay wurde erneuert – das wird sofort und unmissverständlich durch einen neuen Kamerawinkel deutlich. Der frei bewegliche Blick über die Schulter ändert die Dynamik des ganzen Spiels komplett. Wer sich auskennt, kann an Resident Evil 4 denken und gleich verstehen, dass der Kampf sich jetzt besser, frischer, aber auch etwas schwieriger anfühlt. Griff Kratos bisher gern auch mal Dutzende von Feinden auf einmal an, liegt der Fokus nun auf kleineren, intensiveren Begegnungen mit wenigeren, aber meist qualifizierteren Gegnern.

Kratos’ neue Waffe „Leviathan“ – eine Axt, die sich im Prinzip wie Thors Hammer verhält – kann geworfen und zurückgerufen werden. Dies hilft nicht nur im Umgang mit entfernten Feinden, sondern auch beim Freischalten neuer Wege, beim Öffnen von Türen und Lösen von Rätseln. Insgesamt ergibt sich aus den vielen Neuerungen – neuer Kamerawinkel, neue Waffe, neuer Begleiter (Atreus kann im Kampf mit Pfeil und Bogen helfen) – ein anfangs ganz schön anspruchsvolles Handling vor allem der Kampfsituationen. Wer eventuelle Anfangsschwierigkeiten als Herausforderung sieht, anstatt der Mechanik älterer Spiele hinterherzutrauern, wird allerdings reichlich mit spektakulären Kämpfen belohnt. 

Auch die neue Spielwelt in schneebedeckten Bergen tut der Serie gut. Die Kälte, die „Kantigkeit“ und die vielen Gefahren passen perfekt zum insgesamt etwas langsameren Tempo des Spiels. Fazit: Das Santa Monica Studio hat großartige Arbeit geleistet und die Balance zwischen Alt und Neu, zwischen „Slashing“ und Storytelling sehr gut hinbekommen.