Über 34 Millionen Menschen in Deutschland spielen heutzutage Computer- und Videospiele. Trotzdem wird dieses Massenmedium immer wieder von Einzelnen mit Skepsis beobachtet. Besonders für eine Art von Games zeigen Kritiker oft wenig Verständnis: sogenannte First- oder Third-Person-Shooter, im Volksmund auch gerne „Ballerspiele“ genannt.

Der Begriff erscheint auf den ersten Blick durchaus passend – sofern man die Spiele auf das reduziert, was auf dem Bildschirm zu sehen ist: In einem Taktik-Shooter wie „Counter-Strike“ wird so lange geballert, bis ein bestimmtes Spielziel erreicht wurde. Hinter einer Partie des beliebten eSports-Titels, der je nach Tageszeit von bis zu einer halben Million Menschen gleichzeitig auf der Welt gespielt wird, steckt allerdings viel mehr.

Die Faszination von „Counter-Strike“ geht vom gemeinsamen Spielen im Team aus, vom Entwickeln einer Strategie und dem Glücksgefühl, wenn der Plan für die eigene Mannschaft erfolgreich ist. Daneben motiviert das stetige Verbessern der eigenen Fähigkeiten und Reflexe, ähnlich wie bei klassischen Sportarten auch.

Die Bildschirmszenen eines „Counter-Strike“ mögen auf den ersten Blick vom Kampf zwischen einer Terroristengruppe und einer Antiterroreinheit erzählen, für die Spieler steht allerdings der Wettkampf im Mittelpunkt. Das Terrorkampfszenario dient „Counter-Strike“ vor allem als Rahmen, der einem Spielsystem mit Regeln und Zielen einen Wiedererkennungswert gibt. Die Spieler treffen auf dieser gemeinsamen Grundlage aufeinander, unabhängig von ihren unterschiedlichen Lebensrealitäten.

Computer- und Videospiele, die Kriege thematisieren, werden aus ganz unterschiedlichen Gründen gespielt.

Kriege und gewaltsame Konflikte bilden jedoch nicht nur den Hintergrund für First- und Third-Person-Shooter, sondern auch für Games, die ihren Fokus auf das Erzählen einer emotionalen Geschichte legen. Die Aufarbeitung von Krieg und dessen Auswirkungen auf den Einzelnen steht bei diesen Titeln im Mittelpunkt. Beispiele sind das bewegende Weltkriegsabenteuer „Valiant Hearts: The Great War“ oder die Simulation „This War of Mine“, in der Spieler in der Rolle von Zivilisten ums tägliche Überleben in einer Krisenregion kämpfen.

Der vom deutschen Unternehmen Yager entwickelte Antikriegs-Shooter „Spec Ops: The Line“ demontiert hingegen das typische Bild des heldenhaften Soldaten und stellt die Spieler vor schwierige moralische Entscheidungen. Die interaktive Ebene von Games macht in diesem Fall eine besonders intensive Auseinandersetzung mit dem Thema möglich und regt zum Mitfühlen und Nachdenken an.

Aber auch Mehrspieler-Shooter wie das im vergangenen Jahr veröffentlichte „Battlefield 1“ versuchen heute, mehr zu bieten als taktische Wettkämpfe und explosive Action. Das im Ersten Weltkrieg angesiedelte „Battlefield 1“ wirft Licht auf historische Details, die vielen Menschen heute vielleicht gar nicht mehr bewusst sind. So thematisiert es zum Beispiel die Teilhabe von Minderheiten wie afroamerikanischen US-Truppen oder russischen Soldatinnen an den Kämpfen des Ersten Weltkriegs.

Computer- und Videospiele, die Kriege thematisieren, werden also aus ganz unterschiedlichen Gründen gespielt. Mal dient Krieg nur als thematischer Rahmen und andere Aspekte wie der spielerische Wettkampf stehen im Mittelpunkt. Ein anderes Mal setzen sich Games kritisch mit Krieg und Gewalt auseinander und animieren die Spieler zum Nachdenken. Wie Bücher, Filme und andere Medien beschäftigen sich Games mit allen Themen, die Menschen bewegen – auch den schwierigen.