Ich war ein sehr emotionales beziehungsweise sensibles Kind. Ich habe wegen vielen Dingen angefangen zu weinen, was nicht heißen soll, dass man davon Homosexualität ableiten kann.

Ich war immer ich, und ich war immer so, wie ich bin, und das war vielleicht ein bisschen anders als bei den meisten, aber es war eben einfach so.

Das katholische Umfeld, in dem ich aufgewachsen bin – ich war sogar Messdiener und bin gefirmt –, hat mich stark geprägt. Ich bin kein gläubiger Mensch, aber ich habe mich dadurch natürlich mit dem katholischen Glauben auseinandergesetzt und mich dort immer voll akzeptiert gefühlt. Christliche Werte sind mir durchaus wichtig, und schon als Kind wurde mir mitgegeben, dass Gott mich so liebt, wie ich bin.

Als ich mir meiner Sexualität bewusst wurde, als es wirklich darum ging, was macht mich an, was ist Erregung und so weiter, war mir von vornherein klar, dass ich auf Männer stehe. Es gab nie bewusst den Punkt, wo ich gedacht habe, jetzt bin ich schwul. Ich war immer ich, und ich war immer so, wie ich bin, und das war vielleicht ein bisschen anders als bei den meisten, aber es war eben einfach so. Ich musste diese Tatsache für mich nie plötzlich realisieren oder akzeptieren. Ich hatte nie ein Problem mit meiner Homosexualität, da meine Eltern mir, insbesondere meine Mutter, seit meiner Kindheit bis heute vermittelt haben, dass ich gut so bin, wie ich bin.

Meine Mutter hat, glaube ich, schon früh gemerkt, dass ich schwul bin. Sie hat mir schon sehr früh vermittelt, dass es total okay ist, homosexuell zu sein, was mir, um ehrlich zu sein, erst im Nachhinein wirklich klar geworden ist.

Mit 15, 16 Jahren hatte ich eine Art erstes Outing in der Schulzeit. Es war aber schlicht und einfach nur der Fall, dass ich dem Ganzen einfach mal einen Namen gegeben habe. Ich hatte einen eher weiblichen Freundeskreis, dazu noch ein paar Jungs, und irgendwie war klar, dass ich auf Männer stehe oder zumindest „anders“ bin. Ich hatte kein Interesse an Frauen, das wussten alle und das hat auch niemand hinterfragt.

Ich war immer in einem Umfeld, wo man so etwas einfach nicht gemacht hat. Mit der Zeit, gerade als es so anfing, dass man Alkohol getrunken hat, habe ich einfach die Gelegenheit genutzt, mit Leuten darüber zu reden. Aber auch eher nebenbei. Ich habe einfach erklärt, dass das Ganze einen Namen hat: Homosexualität.

Auch im weiteren Verlauf meines Lebens hatte ich nie das Gefühl, dass ich mich verstellen sollte, um akzeptiert zu werden. Ich denke, dass ich ziemlich authentisch bin und ich mich nicht situationsbedingt anpassen muss. Ich muss in meinem heterosexuellen Freundeskreis nicht anders sein als in dem schwulen. Ich bin immer einfach ich.

Klar kann man jetzt sagen, ich habe Glück gehabt, wie das alles bei mir gelaufen ist. Aber ich glaube und hoffe, dass es eine Richtung ist, in die sich unsere Gesellschaft entwickelt. Wenn viel mehr Menschen Homosexualität als selbstverständlich ansehen würden, gäbe es ja diesen Schritt des Outings gar nicht mehr.