Obst ist gesund – das weiß doch jedes Kind. Also wie könnte Fruchtzucker schlecht sein? Kann man sich eine Mutter vorstellen, die ihren Kindern hinterherruft „Und denkt dran, keine Äpfel!“ Allerdings geht es bei Weitem nicht nur um Obst: Fructose beziehungsweise Fruchtzucker ist eine natürliche Komponente, die sich in nahezu allen Lebensmitteln findet.

Übrigens auch in den meisten „light“-Produkten: da Fructose in der Gewinnung günstiger ist und stärker süßt als normaler Haushaltszucker, wird sie ohne Süßungsverlust in geringeren Mengen eingesetzt – und das Produkt darf als zuckerreduziert bezeichnet werden. Aber auch unser Haushaltszucker besteht zu satten 50 Prozent aus Fructose, die meisten Fertigprodukte sind mit Fructose versetzt.

Auch wer denkt, „Ist doch ganz einfach!“ – und auf Süßungsmittel wie Honig (da auch dieser Zuckerersatz zu einem Großteil aus Fructose besteht), Agavensirup und Trockenfrüchte zurückgreifen will, denkt leider falsch. Aber obwohl Fructose-Intoleranz so umfassende Auswirkungen hat – und oft sehr ernstzunehmende gesundheitliche Konsequenzen – fristet die Fructose-Intoleranz beziehungsweise Fructose Malabsorption im Vergleich zum Beispiel zur Laktoseintoleranz oder Gluten-Unverträglichkeit immer noch ein ziemliches „Schattendasein“ im Bewusstsein von Ärzten und Öffentlichkeit.

„Kinder, denkt dran! Esst kein Obst!“

Dabei helfen im Gegensatz zur Laktoseintoleranz bei einer Fructose-Intoleranz auch keine Tabletten oder Enzyme mehr, wenn es zu Symptomen kommt. Denn dann hat es sich die Fructose längst unerlaubt im Dickdarm gemütlich gemacht, wo die entstehenden Stoffwechselprodukte schmerzhafte Blähungen verursachen können.  Betroffene zeigen insgesamt häufig Symptome, die denen eines Reizdarmsyndroms ähnlich sind: Völlegefühl, breiiger Stuhl, Schmerzen, Übelkeit, Magen-Darm-Krämpfe, Durchfall.

Um die Abgrenzung zu anderen Erkrankungen mit ähnlichen Symptomen zu erleichtern, wird oft ein einfacher diagnostischer Test durchgeführt: der Wasserstoff-Methan-Atemtest. Dabei wird Wasserstoff in der Ausatemluft gemessen, der von Bakterien im Darm produziert und anschließend in den Blutkreislauf aufgenommen wird. Je mehr Gas von den Bakterien produziert wird, desto höher ist die Wahrscheinlichkeit einer Fruktose Malabsorption.

Die Lösung ist meist eine radikale Ernährungsumstellung

Die nicht-vererbbare Form der Fructose-Intoleranz entsteht häufig aufgrund, beziehungsweise nach einer Infektion (Blasenentzündung, Magenschleimhautentzündung, o.ä.). Der Patient erhält ein Antibiotikum, ist die Entzündung los – kann jedoch plötzlich kein Obst mehr essen, ohne danach an Durchfall, Blähungen und Bauchschmerzen zu leiden. Antibiotika können die Darmschleimhaut beeinträchtigen oder die Darmflora so zerstören, dass die Fructose nicht mehr beschwerdefrei abgebaut werden kann.

Da fast jede gewöhnliche Mahlzeit in Deutschland Fruchtzucker enthält, ist die nötige Ernährungsumstellung oft nicht leicht. Am Anfang brauchen Magen und Darm vor allem erstmal eins: Ruhe. Experten empfehlen, die Umstellung mit einer vierwöchigen Karenzphase zu beginnen, in der man so fruktosearm und leicht wie möglich isst. Wichtig ist vor allem, überhaupt ein Problembewusstsein zu entwickeln – je länger man jahrelang ahnungslos weiter die problemverursachenden Lebensmittel zu sich nimmt, umso gravierender können die Folgeschäden sein.