Sie hat nie aufgegeben. „Ich bin heute gesund“, sagt sie. Geholfen haben ihr auch Humor, Kampfeswille und der feste Glaube an eine Genesung.

Erinnern Sie sich noch, wie Sie auf Ihre Krebsdiagnose reagiert haben?

Der Arzt sagte mir 2012 nach den Untersuchungen in der Praxis: „Frau Eyssen, reden wir nicht lange drumherum – Sie haben Krebs.“ Da fing mein Kinn an zu zittern und ich habe geweint. Auf dem Weg nach Hause rief ich meinen Mann an und er fragte: „Hat er wirklich das K-Wort benutzt?“ Ich hatte von Anfang an schnell die Grundeinstellung, dass sich der Krebs an mir die Zähne ausbeißen wird. Andere haben diese Krankheit überlebt. Das werde ich auch. Wichtig war mir, nicht dauernd in Ängsten zu versinken. Der Krebs sollte nicht mein Leben bestimmen. Mein Motto war: Ich bin nicht krank, ich habe nur Krebs.

Dennoch habe ich natürlich während der Therapien so manches Mal ins Kissen geweint und mich gefragt, warum das alles sein muss. Gerade bei der Gehirn-OP hatte ich Angst. Ich fing an, Sachen zu verschenken und zusammen mit meinem Mann eine Patientenverfügung zu verfassen.

Was hat Ihnen in dieser Zeit geholfen?

Schon während der Krankheit haben mein Mann und ich Scherze gemacht, zum Beispiel dass ich in Zukunft – wenn ich es denn gewollt hätte – nicht als Nackttänzerin auftreten könne, wegen der vielen OP-Narben. Oder dass wir keinen Krebs, sondern eigentlich Flusskrebs bestellt hätten. Freunde ermutigten mich, dass ich wegen dieses humorvollen Umgangs mit der Krankheit ein Buch schreiben müsse.

In Momenten, in denen ich aus den Medien von Menschen erfahre, die an Krebs gestorben sind, halte ich natürlich die Luft an.

Ich startete erst mit einem Blog auf Facebook, woraufhin ich schnell viel Feedback und viele Follower bekam. Menschen machten mir dort Mut – und andersherum. Irgendwann entstand dann das Buch „Wenn ich das Schicksal treffe, kann es was erleben“. Neben der Krankheitsgeschichte war mir wichtig, dass auch meine Familie zu Wort kommt. Die Kranken werden vom medizinischen Personal betreut. Die „Co-Patienten“ sind aber auch hilflos und verzweifelt, weil sie nicht helfen können.

Wie geht es Ihnen heute?

Seit Sommer 2014 ist sozusagen „Ruhe im Karton“. Es wurden keine Metastasen mehr entdeckt und ich hoffe, das bleibt auch so. Ich denke morgens nicht daran, dass ich Krebs habe. Im Gegenteil: In meinen Gedanken, in meinem Fühlen und Denken bin ich gesund. Dass ich krank bin, wird mir nur klar, wenn ich Atemnot bekomme, wenn ich zu schwach bin, wenn ich nicht mit den anderen Menschen mithalten kann, weil mir nach den Operationen ja die halbe Lunge fehlt.

In Momenten, in denen ich aus den Medien von Menschen erfahre, die an Krebs gestorben sind, halte ich natürlich die Luft an. Plötzlich steht die Frage im Raum: Wann trifft es mich? Aber dann atme ich wieder aus und lebe weiter und freue mich am Leben. Der Krebs hat mein Leben nicht beherrscht und er soll und wird es nicht beherrschen.

Was empfehlen Sie Menschen, die nicht über Ihre Kämpfernatur verfügen?

Dann wollen sie vielleicht für ihre Familie weiterleben – und schöpfen daraus ihre Kraft. Ich habe jüngst wieder mit meinen Ärzten gesprochen. Die Professoren meinten, wenn ich nicht so optimistisch gewesen wäre, die Krankheit zu überstehen, wäre ich nicht mehr am Leben. Sie sagen, dass diese positive Einstellung mindestens 50 Prozent ausmache.

Buchvorstellung

Geschichten, die das Leben schreibt – wenn das Leben eine so unglaubliche Wendung nimmt wie das von Cornelia Eyssen, dann ist das eine Geschichte, die es zu erzählen gilt.

Ihre Geschichte hat sie nun aufgeschrieben, um anderen Menschen Mut zu machen. Eine Geschichte voller Dramatik und Gänsehaut. Es gibt Momente voller Tränen, aber auch voller Humor und Selbstironie.

Es geht auch mal um gutes Essen, um Schönheit und Wellness. Ums Leben. Cornelia Eyssen lässt ihre Leser bis tief in ihre Seele blicken.

Dabei lässt sie auch ihre nächsten Angehörigen zu Wort kommen: Ihren Mann, ihre beste Freundin, ihre Stieftochter, ihre Schwiegermutter.

Unter anderem auch hier bei buch.de erhältlich.