Welche unterschiedlichen Techniken können bei einer Brustvergrößerung angewandt werden?

Je nach Wunsch des Patienten und Beschaffenheit des Haut- und Drüsengewebes besteht die Möglichkeit, das Implantat direkt hinter der Brustdrüse oder hinter dem großen Brustmuskel zu platzieren. Der operative Zugang erfolgt standardmäßig über die Unterbrustfalte, wo sich kurze verbleibende Narben gut verstecken lassen. Alternativ kann der Schnitt am Brustwarzenrand oder in der Achselhöhle erfolgen.

Hierbei haben sich in den letzten Jahren standardisierte Techniken entwickelt, die es dem erfahrenen Chirurgen erlauben, die Operation äußerst gewebeschonend und blutarm durchzuführen. Dies garantiert gut vorhersehbare Resultate, kurze Narkosezeiten, eine rasche Erholung nach der Operation und den weitgehenden Verzicht auf Drainagen.

Wie hat sich die Nachfrage dieses Eingriffes aus Ihrer Sicht in den letzten Jahren verändert?

In meinen Augen hat sich das Körperbewusstsein in den letzten Jahren verstärkt, zudem sind sich Patienten heutzutage der operativen Möglichkeiten stärker bewusst. Durch den großen Fortschritt im Bereich der Implantate und der operativen Techniken sowie den inzwischen vorliegenden Langzeitergebnissen, ziehen mehr Patienten einen Eingriff tatsächlich in Betracht.

Wo liegt für Sie die Grenze zwischen medizinischer Hilfe und Lifestyle-Dienstleistung?

Eine bestehende oder gefühlte Formstörung der Brust kann die Lebensqualität und die Zufriedenheit in vielen Bereichen des Lebens stark einschränken. Dies betrifft nicht nur die Auswahl der passenden Kleidung oder sportliche Aktivitäten. Auch partnerschaftliche Beziehungen leiden häufig unter dem starken Leidensdruck, den Patienten verspüren. Die Formstörung kann sich im Extremfall sogar in Fehlhaltungen äußern, die durch das ständige Verstecken des Brustbereichs herbeigeführt werden.

Durch die heutigen Möglichkeiten lassen sich auch geringe oder subjektive Formstörungen zuverlässig korrigieren, sodass sich die Operationsindikation ausgeweitet hat. Wichtig bleiben jedoch die realistische Erwartungshaltung des Patienten und das Bewusstsein, dass es sich nach wie vor um einen operativen Eingriff handelt.

Welche weiteren Behandlungen im Brustbereich führen Sie durch?

Je nach vorliegendem Befund besteht die Möglichkeit einer Volumenauffüllung mittels Eigengewebe oder Implantat. Bei starker Erschlaffung des Hautmantels und des Drüsengewebes ist eine Straffungs-Operation erforderlich, die längere und sichtbare Narben hinterlässt.

Bei Formstörungen der Brust kann das Drüsengewebe umverteilt und der Hautmantel angepasst werden. Hierbei liegt das besondere Augenmerk auf narbensparenden Operations-Techniken, um eine schnelle Erholung und ein möglichst natürliches Ergebnis zu garantieren.

Von welchen Faktoren ist das Ergebnis einer Operation abhängig?

Neben dem operativen Vorgehen ist das Resultat auch von persönlichen Faktoren der Patienten abhängig, die ich als Plastischer Chirurg kaum oder nur indirekt beeinflussen kann. Durch eine Brustvergrößerung wird das eigene Gewebe über dem Implantat aufgespannt. Dadurch wirkt die Brust voller und wird optisch etwas angehoben. Das Dekolleté, die Beschaffenheit der Brustdrüse und die Brustwarzenposition sind hierbei vom eigenen Körper vorgegeben und können nicht ohne weiteres verändert werden.

Auch die Narbenbildung und die Spannkraft des Muskels sind von Patient zu Patient unterschiedlich und können Auswirkungen auf Implantatposition und Festigkeit der Brust haben.

Durch den großen Fortschritt im Bereich der Implantate und der operativen Techniken ziehen immer mehr Patienten einen Eingriff in Betracht.

Welche Unterschiede bestehen bei den Implantaten, die für eine Brustvergrößerung verwendet werden?

Es gibt mehrere namhafte Hersteller mit vergleichbarer Qualität, welche in Europa zertifiziert sind und deren Produkte in Studien als sicher nachgewiesen wurden. Als Standard in der Brustvergrößerung haben sich Silikonimplantate mit mehrschichtiger Hülle und vernetztem Silikongel etabliert.

Durch die Verwendung von geformten, sogenannten anatomischen, Implantaten lässt sich eine natürlichere Brustform erzielen. Im Gegensatz zu runden Implantaten wird durch anatomische Implantate die Vorwölbung im Dekolleté-Bereich vermieden, die lange Zeit als Stigma für eine Brustvergrößerung galt.

Auch bei einer leichten bis moderaten Erschlaffung der Brust kommen anatomische Implantate zum Einsatz, da sie in vielen Fällen eine Straffungs-Operation ersetzen können.

Ab wann ist man nach dem Eingriff wieder gesellschaftsfähig?

Die Erholung nach dem Eingriff erfolgt in der Regel sehr schnell, ist jedoch abhängig vom Patienten, der Festigkeit des Gewebes, der Implantatgröße und des operativen Vorgehens. Für die erste Nacht erfolgt eine stationäre Überwachung mit angepasster Analgesie. Danach ist eine Schonphase von circa zwei Wochen erforderlich, um die Wundheilung zu unterstützen.

Nach bereits einer Woche können Patienten am gesellschaftlichen Leben teilnehmen. Allerdings sollten sie in dieser Zeit die Arme nur bis auf Schulterhöhe anheben, nicht mehr als fünf Kilogramm Gewicht heben und auf dem Rücken schlafen. Patienten mit Bürotätigkeit sind dann wieder arbeitsfähig, bei körperlicher Tätigkeit sind zwei bis drei Wochen Pause erforderlich.

Auf was müssen Patienten nach dem Eingriff achten? 

Patienten sollten sich in den ersten Wochen nach der Operation ausreichend schonen, um eine ungestörte Wundheilung zu ermöglichen sowie ihre regelmäßigen Nachsorgetermine wahrnehmen. Hierzu zählen der Verzicht auf das Rauchen, Baden und auf Sport.

In der Anfangszeit nach der Operation sollten Patienten außerdem den Gang in die Sauna und das Solarium meiden. Das Tragen eines Stütz-BHs unterstützt den Heilungsprozess, wohingegen BHs mit Kissen und festem Bügel im ersten halben Jahr nicht empfohlen werden, da sie die Ausformung der Brust beeinträchtigen können.