Wie entstehen Narben?

Die Haut ist ein Organ wie Herz, Lunge oder Leber. Wird dieses komplizierte Organ verletzt, kommt es zu einem körpereigenen Reparaturmechanismus. Der schließt die Wunde zwar schnell mit Ersatzgewebe. Allerdings stellt er nicht mehr die alte Hautstruktur her, wenn die Haut sehr tief verletzt wird. Dann entsteht ein sogenanntes Narbengewebe. In Aussehen und Ausbreitung entwickelt es sich unterschiedlich.

Welche unterschiedlichen Typen an Narben gibt es?

Atrophe Narben entstehen, wenn die Wunde schlecht heilt. Als Folge entstehen eingesunkene Dellen, wie zum Beispiel bei Akne- oder Windpockennarben. Bei hypertrophen wächst wiederum zu viel Bindegewebe nach und die Haut wölbt sich nach außen wie eine Wulst. 

Keloide Narben entstehen wie die hypertrophe Narbe durch eine Überproduktion von Kollagen, den Proteinen im Bindegewebe. Keloide sind oft genetisch bedingt und treten häufiger auf bei jungen Frauen und Menschen mit dunklerer Hautfarbe.

Generell existiert keine einzige Methode, mit der allein alle Arten von Narben zufriedenstellend zu behandeln sind.

Darüber hinaus gibt es noch pigmentierte Narben, die sich farblich abheben, Schrumpfnarben, zum Beispiel nach Verbrühungen oder Entzündungen, und Narben nach Tattoo-Entfernungen.

Was muss direkt nach einer Operation beachtet werden? 

Nach einer OP sind Narben oft noch rot. Dann muss man sich keine Sorgen machen. Wenn die Narbe nach vier bis sechs Wochen an Dicke zunimmt, juckt und röter wird, sollte man noch mal genauer hinschauen.

Bei Patienten mit genetisch bedingten keloiden Narben passiert dies häufig im Brustbereich, an den Schultern oder an den Ohrläppchen. Bei diesen Betroffenen reicht aber sogar schon ein Mückenstich für die Narbenbildung aus.

Welche Therapiemöglichkeiten empfehlen Sie, um Narben zu behandeln?

Sehr gute Erfahrungen gibt es mit Silikongel und Silikonpflaster. Die Silikonbehandlung wird sogar in den deutschen S2k-Leitlinien zur Therapie pathologischer Narben empfohlen, an deren Erstellung ich mit beteiligt war. Diese Leitlinien gelten als Richtschnur für die deutsche Ärzteschaft mit klaren Empfehlungen aus der Expertenwelt.

Möglich ist aber auch das Spritzen von Kortison, eines Chemotherapeutikums oder die Vereisung. Ziel ist, die Narbe zu verflachen und den Juckreiz zu bekämpfen. Eine Rötung verbessert man später mit einem Laser.

Generell existiert keine einzige Methode, mit der allein alle Arten von Narben zufriedenstellend zu behandeln sind. Oft kombiniert der Therapeut sogar mehrere Verfahren. Und die Behandlung erfordert mitunter sehr viel Geduld und Zeit.

Sie sprachen von der Lasermethode. Wie werden sie konkret eingesetzt?

Mit einem sogenannten Farbstofflaser kann die Rötung und Juckreiz verbessert werden. Relativ neu ist die fraktionierte Lasertherapie. Je nach Laser kann oberflächlich Narbengewebe punktuell abgetragen und/oder punktuell tiefer in die Haut gesetzt werden. Dieses Verfahren hilft das Aussehen der Narbe zu normalisieren.
 
Auch Dehnungs- und Schwangerschaftsstreifen lassen sich damit behandeln, speziell mit der ResurFX-Lasermethode. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

Auch hierbei wird fraktioniert, d.h. punktuell gearbeitet. Fehlerhaftes Kollagen wird dabei ab- und neues aufgebaut. Dieser Prozess kann jedoch bis hin zu sechs Monaten dauern, daher sind die endgültigen Ergebnisse nicht direkt nach der Behandlung zu sehen. Immer sind mehrere Sitzungen notwendig.
 
Was sollte man generell bei einer Behandlung beachten?

In Zeiten von Fotoshop in den Medien kommen Betroffene oft mit zu hohen Erwartungen. Der Facharzt sollte mit seinem Patienten besprechen, was und wie behandelt werden soll und wie lange der Zeitraum ist. Auch die Kosten spielen eine Rolle.

Wussten Sie, dass sogenannte Dehnungs- bzw. Schwangerschaftsstreifen ebenfalls als Narben betrachtet werden können? Auch hier können mittels Laserbehandlung sichtbare Verbesserungen erzielt werden. Erfahren Sie mehr unter www.gesunde-frauen.info