Runde Kurven

Die Vorstellung davon, was einen schönen Körper ausmacht, änderte sich seit Menschengedenken nicht nur einmal. Verschiedenste Faktoren haben Einfluss auf das Schönheitsideal einer Zeit: gesellschaftliche Strömungen, Kunst und Kultur, Wirtschaft oder Stars. Mal ist schlank angesagt, dann sind wieder Kurven gefragt. Die Mode verhüllt oder betont, die Frisuren sind mal üppig oder wieder ganz streng zurückgenommen.

Wer heute als Frau runde Kurven und ein gut gefülltes Dekolleté zu bieten hat, wäre im 17. Jahrhundert zum Beispiel vergöttert worden: Der Maler Peter Paul Rubens bildete in seinen Werken  Frauen meist genauso ab. Im 19. Jahrhundert durften die Damen dann zwar ihre weiblichen Hüften noch zeigen, aber die Taille wurde mit den berühmt-berüchtigen Korsetts so eingezwängt, dass ihnen die Luft wegblieb.

Genau davon befreite sich Frau im 20. Jahrhundert: Sie warf die „Fesseln“ ab und feierte eine neue Freiheit. Im Mittelalter war es vor allem aus Glaubensgründen verpönt, überhaupt auf das Äußere zu achten. Edelmut und Reinheit und damit ein Körper ohne Schmuck und Beiwerk galten als besonders erstrebenswert. Noch weiter zurück in der Geschichte herrschte in der Antike eine Vorstellung vom perfekten Körper, den wir heute eher als sportlich-stämmig bezeichnen würden. 

Sexy und fraulich

Marilyn Monroe mit ihrer weiblichen Konfektionsgröße 42 war für die 1950er- und 1960er-Jahre ein wichtiges Stilvorbild. Sie präsentierte sich besonders sexy und fraulich und genau das galt dann als schön. Bis eben die superschlanke Twiggy kam und wieder ein neues Ideal vorgab. Genau wie danach in den Achtzigern, wo im übertragenen Sinn dicker aufgetragen werden durfte: mit bunten Make-up-Farben und einer auffälligen Mode mit Schulterpolstern und Karottenhosen. Auch Männer konnten sich dem nun kaum mehr entziehen.

Während in der Vergangenheit beim Thema Schönheit vor allem Frauen im Mittelpunkt des Interesses standen, kommt spätestens um die Jahrtausendwende der Mann nicht mehr am Trend vorbei. Fußballer David Beckham läutete die neue Zeitrechnung des „metrosexuellen Mannes“ ein und gab vor, was zu tun ist: seinen Körper stählen, pflegen und anschließend perfekt zu stylen. Keiner bleibt also vom Schönheitswahn verschont. 

Schmale Taille

Bei den Frauen ist eine schmale Taille spätestens seit den 1990er Jahren wieder das scheinbar wichtigste Accessoire:  Supermodel Kate Moss löste einen neuen Hype ums Dünnsein aus, der bis heute anhält – auch wenn die Fassade bröckelt. Der Trend zurück zu Natürlichkeit und Authentizität ist seit einigen Jahren ebenfalls spürbar. BMI-Grenzen für Models wurden eingeführt, internationale Magazine streichen zu dünne Frauen aus ihren Modestrecken, eine deutsche Zeitschrift kommt gleich ganz ohne professionelle Models aus und die Werbung zeigt ebenfalls natürliche Frauen. Ein Stück weit scheint im Jahr 2012 endlich erlaubt zu sein, was gefällt: Selbstbewusstsein ist das neue Schönheitsideal.