Hinter dem Wunsch nach einer chirurgischen Anpassung oder einer nicht operativen Korrektur des Intimbereichs, steckt meistens eine Mischung aus körperlichen Beschwerden, Problemen beim sexuellen Verkehr und angeschlagenem Selbstwertgefühl. In Deutschland werden jährlich weit mehr als 8000 Korrekturen von Chirurgen, Dermatologen und Gynäkologen durchgeführt. Dr. med. Dominik von Lukowicz, Vorstandsvorsitzender der Gesellschaft für ästhetische und rekonstruktive Intimchirurgie Deutschland (GAERID e.V.) berät, begleitet und behandelt betroffene Frauen und Männer auf ihrem Weg zu mehr Wohlbefinden.

Herr von Lukowicz , fast die Hälfte aller Frauen empfindet ihren Intimbereich als nicht schön. Wird die Vagina zur neuen Problemzone ?

Grundsätzlich bin ich mit Zahlenspekulationen vorsichtig. Nachweisen lässt sich aber ganz klar, dass die Zahl der intimchirurgischen Eingriffe in Deutschland stark zunimmt. Wir müssen klar unterscheiden zwischen den Patientinnen die ihren Intimbereich „nicht schön“ finden und denen die ernst zu nehmende körperliche Beschwerden haben. Alle gängigen Studien unterscheiden hier eigentlich gar nicht.  

Trotzdem sehe ich nicht, dass die Vagina die "neue Problemzone" wird. Nicht im Sinne einer Modeerscheinung unter dem Motto : gestern waren es die Falten im Gesicht, heute ist es die Designer Vagina. Vielmehr kann man deutlich sehen, dass sich die Patientinnen in einer Zeit der Aufklärung und zweifellos auch des Wohlstandes eben auch mit intimen Problemen zum Arzt trauen. Für die meisten Menschen ist es eben leider unvorstellbar, dass es Patientinnen gibt, die einen erheblichen Leidensdruck haben, somit wird der Wunsch nach einer Korrektur oft fälschlich als unsinnig abgetan. Tatsache ist aber, dass viele Frauen Beschwerden ganz unterschiedlicher Art im Intimbereich haben. Ob es eine überweite Vagina nach Geburten ist die in der Sexualität zu erheblichen Problemen führt, Schmerzen im Alltag durch zu große innere Schamlippen bestehen oder es durch einen zu großen Venushügel zu Hemmungen beim Tragen von enger Kleidung und wiederkehrende Hautinfekten kommt. Das sind alles nachvollziehbare Gründe die die Patientinnen schon seit vielen Jahren beschäftigt.  Die Zeit hat sich zum Glück geändert und Frauen sind mutig geworden etwas gegen ihre Beschwerden zu unternehmen. und trauen sich darüber zu sprechen und nach einer Lösung zu suchen .

Mit welchen Beweggründen und Beschwerden kommt die weibliche Zielgruppe zu Ihnen?

Aufgrund meiner eigenen Spezialisierung kommen die Patientinnen zu mir um sich einer Verkleinerung der inneren oder Straffung der äusseren Schamlippen zu unterziehen.

Die Verkleinerung der inneren Schamlippen wird fast immer aufgrund erheblicher Beschwerden beim Fahrradfahren, Geschlechtsverkehr, Reiten, Einreissen der Haut oder Entzündungen durchgeführt. Wichtig ist hier das Erreichen eines sehr guten ästhetischen und funktionellen Ergebnisses. Mit eigenen und selbst entwickelten Operationstechniken kann ich so ein vorhersehbares Ergebnis mit geringem Risiko erreichen.

Ein wichtiges Thema ist auch die Vaginalstraffung, meist nach natürlichen Geburten. Die Beschwerden betreffen meist das Ausbleiben des Lustempfindens beim Geschlechtsverkehr bei Frau und Mann. Häufig belastet dies eine Partnerschaft stark.

Ein besonderes Thema mit dem wir uns hier beschäftigen ist der Vaginismus. Ein unwillkürlicher Scheidenkrampf, der medizinische Untersuchung und Geschlechtsverkehr schmerzhaft bis unmöglich macht.

Eine kleine Anzahl meiner Patientinnen beklagt tatsächlich reine Schönheitsprobleme im Sinne von fortgeschrittener Alterungsprozess und mit der Bitte nach Verjüngung.

Welche Behandlungen umfasst die Intimchirurgie ?

Die Intimchirurgie umfasst bei Frauen die Verkleinerung der äußeren und inneren Schamlippen, Vaginalstraffung, Venushügelverkleinerung oder -straffung und die Vaginismusbehandlung. Wobei man hier zum Teil nicht nur operativ sondern auch apparativ behandeln kann.

Was sagen Sie Frauen, die sich aus rein ästhetischen Gründen eine solche Operation durchführen lassen wollen ?

Ich nehme jedes Anliegen meiner Patientinnen ernst. Sicherlich muss man  Patientinnen genau über die zu erwartenden Ergebnisse aufklären, keine falschen Versprechungen machen und realistische Einschätzungen geben. Durch eine Operation kann es theoretisch auch zu einer Verschlechterung kommen. Aber ganz sicher ist auch ein rein ästhetischer Eingriff bei dem ich mit überwiegender Wahrscheinlichkeit eine Verbesserung erreichen kann, ein durchaus nachvollziehbarer Grund, sich einer Operation zu unterziehen. Vor allem wenn sich die Frau danach in Ihrem Körper besser fühlt. Dies sollte aber gewährleistet sein und ist meist nur mit großer Erfahrung darstellbar.

Mit welchen Beweggründen und Beschwerden kommt die männliche Zielgruppe zu Ihnen ?

Bei Männern geht es in erster Linie um Penisvergrösserung und -verdickung. Auch Hodensackstraffung kann ein Thema sein. Ich selber habe mich in meiner Praxis nur auf die weibliche Intimchirurgie spezialisiert.

Gibt es auch Patienten mit kuriosen Wünschen?

Sicherlich. Ich höre immer mal wieder von Kollegen, die die männliche Intimchirurgie anbieten, dass nicht ganz realisierbare Wünsche geäußert werden. Ich selber habe allerdings in all den Jahren keine Frau mit wirklich kuriosen und nicht nachvollziehbaren Wünschen erlebt. Wir sind in unserer chirurgischen Tätigkeit konservativ und fühlen uns nicht für Fetisch zuständig.

Auf was sollten Patienten achten, die auf der Suche nach einem Arzt für einen intimchirurgischen Eingriff sind?

Leider ist es mittlerweile häufig, dass Kolleginnen und Kollegen unterschiedlicher Fachrichtungen die Intimchirurgie in ihr Portfolio aufnehmen ohne  eine langjährige Ausbildung und Erfahrung haben. Gerade in der operativen Intimchirurgie ist die Lernkurve sehr flach und es dauert lange bis man sehr gute funktionelle und ästhetisch schöne Ergebnisse erzielt. Insofern sollten sich Patienten genau informieren, ob der Arzt/ die Ärztin schwerpunktmäßig die Intimchirurgie bedient und wie viele Eingriffe seit wie vielen Jahren von dem Arzt durchgeführt wurden. Ausserdem dürfen Patienten nach Vorher -Nachher Bildern fragen und sich welche zeigen lassen. Jeder der viel operiert hatte auch schon mal Komplikationen. Die kann sich eine Patientin auch erläutern lassen. Gefährlich sind immer Aussagen wie:“ Klar, mache ich auch“, „das machen wir da einfach mit“, „geht ganz schnell und einfach“....