Heute steht eine große Vielfalt an Formen, Größen und Oberflächen zur Verfügung, weiß Siegfried Kruse. Sein Unternehmen Kruse Medical Hamburg versorgt Kliniken und OP-Zentren mit den gewünschten Prothesen.

Wo liegen die Unterschiede zwischen runden und anatomischen Implantaten?

Brustimplantate mit runden Formen wirken praller und betonen das Dekolleté stärker. Später kamen zusätzlich anatomische Implantate auf den Markt. Mit ihrer Tropfenform sehen sie natürlicher aus, weil sie den unteren Brustbereich mehr hervorheben.

Beide Arten bestehen aus einer Silikonhülle gefüllt mit Silikongel. Die etwas teureren anatomischen Implantate sind beschichtet, um eine Rotation zu vermeiden. In Deutschland teilt sich der Markt etwa zur Hälfte in runde und anatomische Implantate. Der Trend geht wegen des natürlicheren Resultats aber in Richtung anatomische Implantate, weil es natürlicher aussieht.

Welche Oberflächen gibt es: existieren hier Besonderheiten?

Oberflächen gibt es verschiedenste – von glatt bis texturiert, also angeraut. Durch die Texturierungen will man, vor allem bei anatomischen Implantaten, Drehungen vermeiden. Generell aber auch die häufigste Nebenwirkung: die Kapselfibrose.

Das ist eine Kapsel-Verhärtung, die um das Implantat entstehen kann. Für den ästhetischen Erfolg sind am Ende drei Faktoren ausschlaggebend: 1. Das Produkt, 2. Der Operateur und die Operationstechnik und 3. Die körperliche Beschaffenheit der Patientin.

Wie lange halten Implantate?

Im Prinzip unbegrenzt. Manche Hersteller geben sogar Produktaustausch-Garantien bei Rupturen und Fibrosen, solange die Patientin lebt. In Bezug auf Qualität und Sicherheit sind heute alle Hersteller auf einem hohen Level. Fakt ist aber, dass sich der Körper verändert, die Frau Kinder bekommt, die Haut altert.

Deshalb entsteht häufig nach acht bis 15 Jahren der Wunsch nach einer Vergrößerung, Verkleinerung oder Straffung. Es gibt aber auch Patientinnen, die erst nach 20 Jahren einen Austausch wollen. Neutrale, langjährige Studien aus Europa geben gute Hinweise zur Qualität von Brustimplantaten.

Oder Registerdaten von chirurgischen Fachgesellschaften: wie das österreichische Brustimplantate-Register. Das ist herstellerneutral und gibt den Ärzten Auskünfte über die Häufigkeiten von Rupturen und Kapselfibrosen bei den unterschiedlichen Implantatherstellern.

Welchen Einfluss hat ein Brustimplantat auf das Stillen?

Grundsätzlich hat das Implantat keinen Einfluss auf das Stillen, weil es der Chirurg unter dem Drüsengewebe einsetzt. Das befindet sich dicht unter der Hautoberfläche. Das Implantat kommt also mit dem Drüsengewebe nicht in Kontakt. Die Operationstechnik kann einen Einfluss auf die Stillfähigkeit haben und sollte mit dem Arzt besprochen werden. Dann haben die Mütter in aller Regel kein Problem damit.

 

Das klingt nach Explosion. Ist das damit gemeint? (lacht) Nein, in den letzten Jahren gab es bei allen Herstellern signifikante Weiterentwicklungen. Alle modernen Implantate sind heute hoch kohäsiv. Das heißt, sie laufen nicht mehr aus. Sie sind mit festem Silikon gefüllt. Die Produktion wurde so optimiert, dass Brustimplantate extrem belastbar sind und geringe Rupturraten, also Risse, aufweisen. Ich würde allen Interessierten raten, nach einem Hersteller zu suchen, der möglichst niedrige Komplikationsraten vorweist.

Die Implantate unterscheiden sich unter anderem nach Größe, Gewicht und Form. Auf dem Markt finden Sie heute Hunderte von verschiedenen Implantaten. Es gibt anatomische und runde Implantate oder unterschiedliche Gelarten. Die Projektion etwa kann vorne sehr hoch, mittel oder ganz flach sein. Die Forschung und Nachfrage der letzten Jahre ergab, dass ein ideales Implantat natürlich weich ist, aber gleichzeitig formstabil. Früher war ein weiches Implantat nicht formstabil. Dieses Paradigma lösten jetzt einige Hersteller. Ideale Implantate sollten hochgradig belastbar sein. Man spricht auch von ‚unbruchbar’. Und geringe Komplikationsraten nachweisen. Dem Chirurgen sollten sie ein einfaches Handling ermöglichen. Denn das beste Implantat hilft nicht, wenn es zu hohe Ansprüche bei der Operation erfordert.

Das kann, aber muss nicht der Fall sein. Wenn das Implantat nach zehn Jahren ohne Nebenwirkungen oder Komplikationen im Körper ist, lässt es sich problemlos weiter tragen. Die Chirurgen weisen Frauen aber darauf hin, dass sie nach zehn Jahren genau darauf achten sollten, ob sich etwas im Körper verändert. Generell ist es allerdings nicht notwendig, sie nach diesem Zeitraum zu wechseln. Implantate können zwanzig Jahre oder länger in der Brust bleiben.