Sie haben eine Reportage über Säureopfer gedreht. Wie kam es dazu?


Als unicef-Patin hatte ich eine Sendereihe, bei der ich mehrere Reportagen drehen durfte. Ein Thema waren die Säureopfer in Bangladesch, weil ich mehr über die Hintergründe erfahren wollte und über Frauen berichten, die man nicht vergessen soll, denn sie brauchen unsere Hilfe und Unterstützung.

Bitte erzählen Sie uns mehr darüber.

Ich hatte vorher immer mal wieder über solche Anschläge in den Medien gelesen und wollte erfahren, warum es überhaupt zu solchen Anschlägen kommt, wissen, wer diese Frauen und Kinder sind, denen dies widerfahren ist. Die Anschläge sind unfassbar brutal und hinterhältig. Die Opfer sind ein Leben lang gezeichnet und haben unfassbares Leid ertragen. 

Was sind die Gründe für solche Übergriffe?

Es sind so niedrige Beweggründe, wie zum Beispiel eine nicht bezahlte Mitgift. Die Frauen haben mir erzählt, dass die Familien der Braut bei einer Hochzeit eine Mitgift an die Familie des Bräutigams zahlen müssen. Das tun sie auch, doch viele Männer verlangen einfach eine zweite Mitgift und leugnen die erste. Da die Familien dort oft sehr arm sind, können sie nicht mehr Geld geben, und dann rächt sich der Mann an seiner Ehefrau. Oder es geht um Land oder um Erbstreitigkeiten. Erschreckenderweise trifft es auch oft die Kinder.

Woran liegt das?

Kinder schlafen in den meisten Familien, bis sie zehn Jahre alt sind, bei der Mutter  – im Bett oder auf dem Boden – und wenn es nachts zu einem solchen Säureanschlag kommt, also die Männer einen Eimer mit Säure über das Gesicht schütten, werden die Babys und Kleinkinder ebenfalls zu Opfern. Ich habe aber auch Kinder kennengelernt, die gezielt zu Opfern von Anschlägen wurden. Beispielsweise, weil der Vater behauptet hat, es sei nicht sein Kind und hat es deshalb entstellen oder sogar umbringen wollen.

Sie haben viele Schicksale gesehen und  mit vielen Frauen gesprochen …


… und mich hat jedes einzelne sehr berührt. Ich habe unglaublich tolle, kluge Frauen kennengelernt, die mich mit ihrem Herzen und ihrer Stärke zu überleben tief beeindruckt haben. Das sind Frauen, die trotz all der unerträglichen Schmerzen, die sie erlitten haben, trotz ihrer Entstellungen das Schicksal angenommen haben und ihr Leben in die Hand nehmen. Das hat mich unglaublich beeindruckt.

Bitte gehen Sie auf einzelne mehr ein.

Eine junge Frau, die damals 25-jährige Nele, hat mir erzählt, dass ihr Mann sie nach Saudi-Arabien verkaufen wollte. Als sie das mitbekommen hat, wehrte sie sich, weil sie das natürlich nicht wollte. Aus Rache hat ihr Mann sie entstellt. Dank der unicef und ASF (Acid Survivors Foundation) ist sie Näherin geworden, möchte sich jetzt sogar selbstständig machen.

Sehr berührt hat mich auch die fünfjährige Kushi. Als der Anschlag passierte, schlief sie bei der Oma. Und der Mann dachte, Kushi schläft bei ihrer Mutter, und hat den Eimer mit Säure über die Oma gekippt. Kushi lag in dieser Nacht mit dem Gesicht auf dem Boden und dadurch ist nur eine Seite komplett entstellt und die andere Gesichtshälfte ganz normal. Sie und ihre Oma kamen dann in die ASF und werden seitdem von der Organisation betreut. Seitdem denkt Kushi, sie ist eine Prinzessin, weil alle sich um sie kümmern.

An diese beiden Frauen denke ich heute immer noch oft, und eines Tages werde ich sie sicher noch einmal besuchen gehen und schauen, was aus ihnen und ihren Träumen geworden ist.

Wie verarbeiten Sie persönlich solche Begegnungen? 


Ich bereite mich sehr gut auf solche Projekte vor. Generell versuche ich, jedem Menschen sehr positiv entgegenzutreten. In diesem Fall habe ich versucht, all die Narben und Entstellungen auszublenden, ich habe den Frauen in die Augen geschaut und mir ihre Geschichte angehört, versucht, all das Leid dahinter zu begreifen. 

Ich habe versucht, die Narben und Entstellungen auszublenden, um den Menschen dahinter zu sehen.

Welche Hilfe gibt es für Säureopfer?

Das Problem ist, dass die Ersthilfe häufig nicht gegeben ist. Viele Anschläge passieren auf dem Land, und bis dort medizinische Helfer vor Ort sind, dauert es schon einmal zwölf Stunden. Die Schmerzen nach solch einem Anschlag sind unerträglich und um ein Vielfaches höher als bei einer Verbrennung.

Die Frauen werden ohnmächtig, und viele überleben einen Anschlag nicht. Kommt es dann zu einer medizinischen Versorgung, dauert der Prozess der Wiederherstellung Jahre, manche Frauen haben 20 und mehr Operationen hinter sich. Zudem sind solche Operationen extrem teuer, keine der Frauen könnte sie bezahlen. Deshalb sind sie auf Spendengelder und Hilfsorganisationen angewiesen. 

Welche chirurgischen Möglichkeiten gibt es?

In erster Linie muss die Spannung von der sogenannten Lederhaut genommen werden. Das wird durch das Einsetzen von Hautlappen ermöglicht. Wenn eine Nase oder die Ohren weggeätzt wurden, kann das die medizinisch-plastische Chirurgie wiederherstellen. 

Zum Glück gibt es diese Möglichkeiten, denn durch jede Form der Schmerzlinderung, haben die Frauen mehr Chancen auf ein besseres Leben.  Aber diese Frauen sind viel stärker als ich jemals für möglich gehalten hätte, zudem ist da noch unicef und ASF, die den Frauen und Kinder halt gibt – in der medizinischen und psychologischen Versorgung. Wenn die medizinische Erstversorgung gewährleistet ist, geht es im zweiten Schritt darum, den Frauen eine Zukunft zu ermöglichen. 

Das Thema dieser Ausgabe ist „Plastische Chirurgie“ und neben der medizinischen Sicht, gibt es auch die Schönheitschirurgie. Wie stehen Sie persönlich zu diesem Thema?


In erster Linie würde ich jedem Menschen raten sich gesund zu ernähren, wenig Alkohol zu trinken, viel Sport zu machen und einfach glücklich zu sein, mit dem Körper, den man bekommen hat. Natürlich ist die Sachlage bei Unfällen oder psychologischem Druck eine andere.. Dem Schönheitswahn a la Hollywood stehe ich jedoch kritisch gegenüber. 

Warum?

Weil in Würde altern aus meiner Sicht viel schöner ist, mit unnatürlichen und künstlichen Gesichtszügen durchs Leben zu laufen. 

Wem würden Sie zu einer Schönheitsoperation raten?

Also ich kann vollkommen verstehen, wenn beispielsweise eine Mädchen eine große und verbogene Nase hat und bereits das ganze Leben darunter leidet, sich operieren lässt und sich dadurch schöner fühlt, mehr Selbstbewusstsein hat und dadurch ein glücklicheres Leben führen kann. Wenn also der Leidensdruck eines Menschen, das kann ja auch psychologisch sein, wenn der so groß ist, dass man sich immer mehr zurück zieht, zu Depressionen neigt oder gar nicht mehr leben will, dann sollte man den Rat eines Schönheitschirurgen suchen und gemeinsam nach einer Lösung suchen.