Welche Fehler werden hier immer wieder seitens des Arztes und seitens des Patienten gemacht?

Eine ausführliche Beratung ist das A und O in der ästhetischen Medizin und auch enorm wichtig für die  Behandler-Patienten-Beziehung. Viele Ärzte planen nicht ausreichend Zeit für das Beratungs- bzw. Aufklärungsgespräch ein, so dass es am Ende doch immer wieder zu Missverständnissen oder Unzufriedenheit kommen kann. Auch wenn das unprofessionell klingt: Auf sein Bauchgefühl zu hören hat eine sehr hohe Priorität.

Des Weiteren sollten Patienten unbedingt vorher alle offenen Fragen aufschreiben; auch sollten sie sich nach der Erfahrung des Arztes erkundigen (Wie häufig hat der die Behandlung schon durchgeführt? In welchen Fachgesellschaften ist dieser? Gut ausgebildete  Behandler haben hiermit überhaupt kein Problem). 

Das Internet bietet im Vorfeld schon einmal eine gute Recherchemöglichkeit für den Patienten. Und ein ganz wichtiger Faktor ist auch: Fühle ich mich hier gut aufgehoben? Vertraue ich dem Arzt? Und hier ist eben das Bauchgefühl das beste Barometer.

Wie verlaufen Gespräche idealerweise?

Idealerweise fragt der Arzt den Patienten, was er für ihn tun kann. Denn oftmals sind nicht die für uns augenscheinlich offensichtlichen „Problemzonen“ das Problem, an dem sich auch der Patient stört. Bei uns in der Rosenpark Klinik nehmen wir uns für jedes Beratungsgespräch in den meisten Fällen eine Stunde Zeit. Manchmal sind die Fragen auch schneller geklärt.

Vor operativen Eingriffen wie Facelift oder auch eine Brustoperation ist es üblich, dass wir die Patienten zweimal zu einem ausführlichen Gespräch einladen. Das dient dazu, dass nicht nur der Patient sich ganz sicher ist, dass er das auch machen möchte und auch wirklich keine Fragen mehr offen bleiben, sondern auch der Arzt sicher sein kann, die richtige Indikation gestellt zu haben.

Im Rahmen des Gesprächs werden der gemeinsame Therapieweg  sowie die Wünsche und Ziele besprochen, Risiken werden erläutert  und sollte es noch offene Fragen geben, werden diese auch geklärt. Ganz entscheidend ist selbstverständlich auch der Blick auf die Problemzone inklusive einer Vorher-Nachher-Dokumentation. Der Arzt macht hierbei Aufnahmen von den zu behaltenden Arealen, um diese später zu vergleichen und den Behandlungserfolg festzuhalten.

Für welche Personen kommt die ästhetische Dermatologie in Frage?

Ästhetische Dermatologie und Dermatochirurgie kommen im Prinzip für alle in Frage, die ein Problem mit einem optischen Aspekt, ins bersondere mit ihrer Haut, an sich haben. Aber auch für medizinisch Fälle, wie eine Sichtfeldeinschränkung durch Schlupflider, Lipödem, Akne, Couperose, Rosazea, etc.

Wie hoch ist der Anteil Frauen/Männer, die sie nutzen?

Das Verhältnis liegt momentan noch bei 85% Frauen zu 15% Männern, Tendenz bei letzteren aber steigend.

Für welche Altersgruppen sind welche Maßnahmen am besten?

Das lässt sich gar nicht so leicht beantworten, da wir alle individuell mit unterschiedlichen individuellen Veranlagungen auf die Welt gekommen sind. Auch die Hautalterung und Fettverteilung unterliegt größtenteils unbeeinflussbaren genetischen Faktoren.  

Jedoch können wir sagen, dass bis zum 45. Lebensjahr eher genetisch bedingte Indikationen wie z.B. eine Reithosendeformation zur Fettabsaugung eine Rolle spielt, während ab dem 50. Lebensjahr zunehmend die altersbedingte Haut- und Körperform veränderten Befunde den Hauptanteil der Behandlungen ausmachen.

Wie unterscheiden sich die beiden Maßnahmen Botulinum Toxin und Filler in der Anwendung und ihrer Wirkung?

Die Hyaluronsäure erzeugt unterschiedlichste Wirkungen. Sie kann dem Gewebe verloren gegangenes Volumen wieder zurück geben, die Haut aus der Tiefe oder auch oberflächlich durchfeuchten, Augenringe verschwinden lassen, tiefe und oberflächliche Falten und Fältelungen glätten. Der Markt hält dafür zahlreiche unterschiedliche Hyaluronsäureprodukte bereit. Zudem ist eine deutliche Verbesserung der Haltbarkeit dieses sogenannten Fillers im Gewebe erkennbar.

Die Ergebnisse mit modernen Hyaluronsäurepräparaten weisen mittlerweile eine Haltbarkeit von sechs Monaten bis zu einem Jahr auf. Das hängt auch davon ab, wie tief diese im Gewebe platziert wird Generell gilt: Je tiefer man die Hylauronsäure ins Gewebe einbringt, desto haltbarer verhält sich diese.

Botulinumtoxin TypA hingegen hemmt die Erregungsübertragung von den Nervenzellen zum Muskel und somit kann dieser sich nicht mehr in der gleichen Intensität wie vor der Behandlung  bewegen (kontrahieren). Das ist ein ganz andere Wirkmechanismus.

Botulinum kommt überall dort zum Einsatz, wo unsere Mimik Falten entstehen lässt, wie zum Beispiel eine  Zornesfalte zwischen den Augen oder Krähenfüße.  Die verminderte Mimik führt zu einem deutlich attraktiveren und souveräneren Erscheinungsbild mit glatterer Haut und entspannter Ausstrahlung.

Welchen Sinn macht eine mögliche Kombination beider Maßnahmen?

Kombinationsbehandlungen sind fast schon Standard in der ästhetischen Medizin. Denn wenn man altert, dann bleibt es meist ja nicht nur bei Volumenverlust und Knitterfältchen, sondern Mimik bedingt bildet sich auch die eine oder andere Falte aus.

Der Körper altert ja in seiner Gesamtheit und sucht nicht DIE eine bestimmte Stelle aus. Es ist zudem nicht unüblich, dass bei einer besonders ausgeprägten Zornesfalte auch zusätzlich  Hyaluronsäure zum Einsatz kommt, um die Falte zusätzlich zu glätten.

Von einer Behandlung abzuraten ist immer dann sinnvoll, wenn man entweder merkt, dass das eigentliche Problem des Patienten viel tiefer sitzt und sich bei ihm persönlich in subjektiv empfundenen Makeln wieder spiegelt.

Welche Vorteile bieten Filler besonders in Bezug auf die Hautglättung bei Dekoltee und Händen?

Dekolletee und Hände sind nach wie vor nicht ganz einfach zu behandelnde Areale an unserem Körper, da die Hautunterfütterung sehr gering ausfällt. Dennoch schafft es die Hyaluronsäure in Verbindung mit einer bestimmten Injektionstechnik, der sogenannten Deep Meso (Anm der Red.: wurde in der Rosenpark Klinik von Dr. Gerhard Sattler entwickelt) die Haut von Innen heraus aufzupolstern und zu durchfeuchten.

Dabei werden Hyaluronsäuredepots dicht an dicht in das Gewebe fast auf dem Knochen platziert, um das Gewebe von unten heraus aufzubauen und eine tiefe Durchfeuchtung zu erreichen.

Um die Hyaluronsäure-Depots gleichmäßig und in gleichbleibender Menge zu platzieren, kann ein Injektionsgerät helfen, der sogenannte Deep Meso Injektor. Einige Hyaluronsäruehersteller bieten mittlerweile einen solchen Injektor einhergehend mit der dazugehörigen Hyaluronsäure an.

Welche Gefahren verbergen sich bei der Verwendung von Botulinum Toxin?

Gefahr ist vielleicht ein wenig übertrieben, aber das Risiko bei einer Botulinumbehandlung geht meist nur von mangelnder Erfahrung des behandelnden Arztes aus. Diese Form der Injektion erfordert eine genaue  Kenntnis der Gesichtsanatomie, daher rate ich auch davon ab, diese Behandlung von Fachärzten durchführen zu lassen, die normalerweise nichts mit dem Gesicht zu tun haben in ihrer ärztlichen Praxis.

Da sich Botulinum aber innerhalb von 4-6 Monaten wieder abbaut, sind mögliche nicht erwünschte Nebenwirkungen, wie z.B. eine hängendes Augenlid, wieder Vergangenheit. Man spricht hierbei von reversiblen Nebenwirkungen, als solche, die sich wieder vollständig zurück bilden.

Als alternative Behandlung ist das so genannte PRP-Vampirlifting auf dem Markt. Was verbirgt sich dahinter?

Bei der PRP-Methode (Platelet Rich Plasma oder Plättchen reiches Plasma)  wird aus körpereigenem Blut speziell Thrombozyten angereichertes Plasma extrahiert und zur Unterspritzung wieder verwendet. Daher wird es umgangssprachlich auch gerne Vampirlifting genannt.  Diese Faltenunterspritzung ist 100% biologisch und regt die Zellenerneuerung an, die eine optische Verjüngung und  Revitalisierung der Haut und des Bindegewebes von Innen mit sich bringt.

Die durch die Unterspritzung freigesetzten Wachstumsfaktoren  regen die Produktion von Elastin und Kollagen an. Zudem steigt die körpereigene Hyaluronsäure-Produktion, was eine vermehrte Wasserbindung im Gewebe zur Folge hat – die Haut wird also besser durchfeuchtet. Die Haut wirkt insgesamt praller und straffer.

Wo liegen die Grenzen der ästhetischen Dermatologie? Wann raten Sie sogar von einer Behandlung ab?

Von einer Behandlung abzuraten ist immer dann sinnvoll, wenn man entweder merkt, dass das eigentliche Problem des Patienten viel tiefer sitzt und sich bei ihm persönlich in subjektiv empfundenen Makeln wieder spiegelt.  Oder eben auch dann, wenn eine Behandlung einfach zu viel oder nicht notwendig ist. Manchmal verlieren Patienten nämlich den Blick für sich selbst, dann ist es am betreuenden Arzt auch mal von etwas abzuraten bzw. gut und ehrlich zu beraten.

Die Grenzen der ästhetischen Dermatologie liegen ganz klar in Befunden, bei denen ein Plastischer Chirurg helfen besser helfen kann. Zum Beispiel nach großem Volumenverlust am Körper und im Gesicht hilft häufig nur noch Lifting Chirurgie. Da kann die Dermatologie wirklich nur in den etwas leichteren Fällen behilflich sein oder unterstützend eingesetzt werden.

Auch hier gibt es viele Synergien in Sachen „Gesamtharmonie“. Ein Facelift strafft die Haut und das Gewebe, kann aber kein verloren gegangenes Volumen wieder auffüllen. Eine Volumengabe mit Hyaluronsäure kann hier das Ergebnis perfektionieren und der Gesamtharmonie des Gesichts sehr dienlich sein.

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