Wenn sich diese Vorbilder zu so einem Eingriff „trauen“ und ihre Vorher-Nachher-Situation präsentieren, dann kann das doch wohl nicht so kompliziert sein. Viele Männer und Frauen machen es nun nach: Der seit etwa 5 Jahren (Rooney) einsetzende Ansturm auf die Haarchirurgen ist ungebrochen und zeigt einen permanenten Anstieg nach oben.

Warum? Durch die guten Resultate nach der Behandlung steigt das Selbstvertrauen enorm. Man(n) fühlt sich wieder jugendlicher, sportlicher und gesünder, einfach begehrenswerter beim anderen Geschlecht. Natürlich machen es die Betroffenen in erster Linie für sich selbst, doch irgendwie hängt das doch auch mit der Wirkung nach außen und auf Andere zusammen, oder?

Haarausfall, HaartransplantationVererblicher Haarausfall - Stadium 1

 

Die guten und mit kaum zu glaubender Natürlichkeit präsentierten Nachher Resultate sind in erster Linie auf eine erhebliche Verbesserung der Operationstechniken (Mikroskopische Präparation, Mikrochirurgie, Operationsroboter) zurückzuführen. Aber auch die Haarchirurgen haben sich in den letzten Jahren enorm weitergebildet, gemeinsame Netzwerke gebildet und vom Know-how der Besten profitiert.

Somit ist die Haartransplantation zu einem relativ risikoarmen Eingriff in örtlicher Betäubung (auf Wunsch Dämmerschlaf) geworden, der durch ärztliche Leitlinien weitgehend standardisiert durchführt werden kann; vorausgesetzt, man befindet sich in geübten fachärztlichen Händen und man weiß, dass der Operateur diesen Eingriff täglich und nicht nur an Wochenenden oder nebenbei durchführt. In der Regel dauert solch eine Behandlung zwischen 4 und 6 Stunden.

Danach ist für 3-5 Tage etwas körperliche Schonung angesagt. Mit einer Baseballkappe auf dem Kopf kann man sogar unter Menschen und sich normal bewegen. Sicherlich können in der ersten Woche Schwellungen im Gesicht auftreten, doch die vergehen meist so schnell wie sie gekommen sind. Die Spuren der Transplantation, also Hautverkrustungen, leichte Rötungen und ein örtliches Taubheitsgefühl sieht man für 7-12 Tage mehr oder weniger.

Haarausfall, HaartransplantationVererblicher Haarausfall - Stadium 2

 

Nach 3 Tagen kann man die behandelten Gebiete bereits mit einem milden Shampoo waschen und so zur schnellen Abheilung der Krusten beitragen. Nach 2-3 Wochen sieht man dann wieder völlig „unoperiert“, also normal, aus. Dann beginnt das Warten: denn die transplantierten Haarwurzeln produzieren erst nach 2-3 Monaten dauerhaft neues Haar. Das wächst langsam, 0,8-1 cm pro Monat.

Somit wird die neue Haarpracht erst nach und nach sichtbar. Das hat den Vorteil, dass kaum jemand aus dem Umfeld des Operierten die Haartransplantation bemerken wird. Die volle Haarpracht ist dann ein Jahr nach der Transplantation erreicht, man glaubt selbst gar nicht so richtig, was da passiert ist. Nur ein Blick auf die Fotos, die vor der Operation angefertigt wurden, lässt staunen und glauben: das ist wirklich das Resultat dieser Haartransplantation und der ärztlichen Kunst!

Warum wachsen die transplantierten Haare überhaupt dauerhaft und fallen nicht wieder aus, wie die anderen Oberkopfhaare vorher? Die Antwort liegt in der Entwicklungsgeschichte des Menschen: die Haarwurzeln des sogenannten Haarkranzes werden zur Körperbehaarung (Bart, Brust, Achseln, Rücken, geschlechtsspezifische Behaarung) gerechnet und die fällt nicht aus, weil sie gegen Dihydrotestosteron (DHT), ein Abbauprodukt des Testosterons, resistent und damit völlig unempfindlich ist.

Haarausfall, haartransplantationVererblicher Haarausfall - Stadium 3

 

Etwa die Hälfte aller Haarwurzeln des Haarkranzes kann man so in Kahlgebiete umverteilen, ohne dass es optisch auffällig wird. Das bedeutet in der Regel, dass der Haarchirurg einen „Haarpool“ von 4000-7000 Haarwurzelgruppen (etwa 8000-14000 Haare) bei guter Anatomie und kräftig dichtem Haarwuchs im Haarkranz nutzen kann. Natürlich sollte man dieses wertvolle Material nicht mit einem Mal verbrauchen und auch nicht durch falsche Operations- und Präparationstechniken zerstören.

Denn der Haarausfall geht in der Regel in 10-Jahres-Schüben voran, und ein verantwortungsbewusster Haarchirurg plant immer Folgebehandlungen mit ein. Damit kann Betroffenen auch später effektiv geholfen werden. Die vorderen Bereiche wie Haaransatz, Geheimratsecken und Oberkopf lassen sich so in der Regel immer gut mit neuem Haar rekonstruieren.

Kritisch wird es, wenn die Kahlflächen sehr groß sind, vor allem im hinteren, dem sog. Tonsurbereich (Mönchstonsur). Aber auch für solche Härtefälle sind Kompromisslösungen möglich. Auf jeden Fall steht vor jeder Behandlung eine ausführliche fachärztliche Beratung an. Hier sollte man sich nicht nur aus dem Internet informieren, denn dieses Medium ist gerade bei sensiblen Eingriffen wie einer Haartransplantation Segen und Fluch zugleich: man kann sich gut vorinformieren, wird aber leider auch durch die Fülle an „Experten“ häufig irregeführt.

Das Internet kann und wird ein persönliches ärztliches Gespräch, wo alle wichtigen Dinge erörtert werden und wo sich das entscheidende Arzt-Patienten-Vertrauensverhältnis entwickeln sollte, nicht ersetzen. Gerade im Gespräch und durch die individuelle Situation des Patienten kann man entsprechende Strategien und Techniken besprechen.

Haarausfall, HaartransplantationVererblicher Haarausfall - Stadium 4

 

Zum Beispiel: welche Entnahmetechnik ist die am besten geeignete? Bei weltweit 80% aller Haartransplantationspatienten wird aus dem Haarkranz am Hinterkopf und seitlich ein mehr oder weniger großer Hautstreifen entfernt, daraus werden dann am Mikroskop die kleinsten Haarwurzeleinheiten, „follicular units“ genannt, herauspräpariert. Die Entnahmestelle wird mikrochirurgisch verschlossen, so dass am Ende eine feine strichförmige Narbe verbleibt.

Diese ist bis zu einer Haarlänge von 0,5 cm in der Regel unsichtbar und mit dem Resthaar problemlos überkämmbar. Aus solch einem Streifen kann man relativ viele Haarwurzeln gewinnen. Außerdem verlässt der Patient die Praxis, ohne dass man in der Regel etwas vom Eingriff bemerkt. Sein Haar bleibt nach der Operation genauso lang wie vorher.

Immer noch 20 % aller Haarpatienten weltweit entscheiden sich für die Einzelentnahme der Haarwurzeln, FUE Technik genannt. Hierzu müssen die Haare allerdings auf 1 mm kurz rasiert werden. Bei jungen Leuten oder Menschen, die gern Glatze bekennen, in der Regel kein Problem. Die Einzelhaargruppenentnahme ist eine anstrengende zeitaufwändige Technik, in der man in 1-3 Stunden 1500-2000 solcher Haareinheiten gewinnen und anschließend wieder verpflanzen kann.

Das erfordert vom Operateur großes Geschick und eine hohe Konzentration. In einigen Zentren kann man deshalb schon die neueste Erfindung der Haarchirurgie bewundern: einen Operationsroboter, der bei der Entnahme und auch bei weiteren Operationsschritten dem Menschen die Konzentration und einen Großteil der Arbeit abnimmt.

Bei der Haartransplantation wird mit lebendigen (vitalen) Haarzellen gearbeitet, die nur eine begrenzte Zeit ohne Sauerstoff und Blutversorgung am Leben bleiben. Nach 6-8 Stunden beginnt bereits die Absterbephase. Somit ist logistisches know-how gefragt. Als Haartransplanteur arbeitet man mit seinem gut geschulten Team immer gegen die Uhr. Die Haartransplantation sollte nach spätestens 6-8 Stunden abgeschlossen sein. Während der Patient also im Dämmerschlaf träumt oder Fernsehen schaut, läuft im Hintergrund eine konzentrierte Arbeit vieler fleißiger Hände gegen die Zeit.

Haarausfall, HaartransplantationVererblicher Haarausfall - Stadium 5

 

Bereits während die Haarwurzeln noch aufbereitet, präpariert und auf Vollkommenheit gecheckt werden, bringt der Arzt die Behandlungskanälchen  mit kleinsten Instrumenten auf den Kahlflächen an, natürlich in örtlicher Betäubung und damit völlig schmerzfrei. Danach werden die Haarwurzelgruppen ohne Traumatisierung schonend mit Mikropinzetten in die Empfängerkanälchen hineingebracht. Das wird durch 2-3 Medical Assistants erledigt, denn 4-6 Hände sind viel schneller als nur ein Paar.

Am Ende sieht der Patient viele kleine Verkrustungen, gelgentlich kann sich daraus noch etwas Blutwasser absondern, große Komplikationen sind nicht zu erwarten. Ein paar Tipps zum richtigen Verhalten danach (wann Haare waschen, wann Friseur usw.), Schmerzmittel und Telefonnummern für den Notfall werden mit an die Hand gegeben und dann kann man als ambulanter Patient die Spezialpraxis verlassen. Regelmäßige Kontrollen per E-Mail über WhatsApp oder auch persönlich sind möglich und werden vorab besprochen.

Der wichtigste Termin ist aber die Vorstellung nach einem Jahr in der Haarsprechstunde. Hier sieht der Arzt durchweg zufriedene Patienten, und das ist das besonders Schöne an dieser hoch spezialisierten und manchmal monotonen Tätigkeit. Sicher gibt es hin und wieder kleine Tiefpunkte, denn bei progredientem Haarausfall werden weitere Operationen oder Verdichtungen erforderlich.

Aber der Grundtenor aller Behandelten ist: „Eigentlich hatte ich mir das Ganze viel komplizierter und schmerzhafter vorgestellt. Ich bin angenehm überrascht über das schöne optische Resultat. Es hat niemand etwas bemerkt von der ganzen Prozedur. Keiner hat mich auf Abnormitäten oder unnatürliches Aussehen angesprochen. Ich fühle mich jetzt viel selbstbewusster und bin aktiver geworden.

Ich sehe endlich wieder so aus, wie ich mich innerlich fühle: jung und frisch. Ich habe mich zu jeder Zeit gut betreut und in professionellen Händen gefühlt. Ich ärgere mich ein wenig darüber, dass ich nicht schon vor 10 Jahren den Mut zur Haartransplantation hatte.“