Sie waren groß und abstehend – die Ohren des kleinen Jungen, der sich mit seiner Mutter verzweifelt an Jacques Joseph wandte. Andere Kinder würden ihn ständig hänseln. Der Arzt korrigierte sie, rettete ihn vor dem Spott – und verlor seine Anstellung an der Berliner Charité. Denn im 19. Jahrhundert galt noch der unumstößliche Grundsatz, dass Mediziner nur wirklich notwendige Operationen durchführten.

Moderne OP-Methoden

Der kurzzeitige Karriereknick verhinderte jedoch nicht, dass Joseph heute als einer der Pioniere der plastischen Gesichts-chirurgie gilt. Inzwischen wird auch nicht mehr diskutiert, ob ein solch vergleichsweise kleiner Eingriff ethisch vertretbar ist. Dennoch wird zwischen ästhetischer und rekonstruktiver Chirurgie unterschieden.

Moderne Operationsmethoden erlauben heute Korrekturen an fast jedem Körperteil. Wer dafür einen ästhetisch-plastischen Chirurgen aufsucht, ist in der Regel nicht krank, sondern unzufrieden mit seinem Aussehen. Diese Unzufriedenheit kann jedoch in Minderwertigkeitsgefühle und depressive Stimmungsbilder umschlagen.

Die rekonstruktive Chirurgie kommt wiederum zum Einsatz, wenn Form und Funktion des Körpers wiederhergestellt werden müssen. In der Regel passiert dies nach einem Unfall, einer Krebsoperation oder bei angeborenen Fehlbildungen.

Viele Grenzbefunde

Dennoch gibt es nach wie vor Grenzbefunde zwischen beiden Disziplinen. Beispielsweise verlieren fettleibige Menschen nach einer Magenoperation zwar schnell an Gewicht. Allerdings kämpfen viele dann mit einer Bauchschürze, die herunterhängt und funktionelle Probleme im Alltag mit sich bringt. Die Betroffenen möchten sich wieder als vollwertige Menschen fühlen. Trotz medizinischer Indikatoren fallen helfende Operationen jedoch häufig unter die Kategorie „Luxus“ – und damit weg.

Auf der anderen Seite gilt: Psychische Probleme können nicht mit dem Skalpell kuriert werden. Seriöse Chirurgen achten daher in der Beratung auf ein bereits gefestigtes Körperbild.

Experten im Fachgebiet

Da Begriffe wie „Schönheitschirurgie“ in Deutschland nicht geschützt sind, sollte man sich bei der Expertenauswahl am Titel „Facharzt für Plastische und Ästhetische Chirurgie“ orientieren. Nur er hat nach dem Studium der Humanmedizin und der Approbation eine zweijährige Basisweiterbildung im Bereich der Chirurgie und anschließend vier weitere Jahre im Spezialgebiet absolviert. Als Mitgliedsorganisation fungiert bundesweit die Deutsche Gesellschaft der Plastischen, Rekonstruktiven und Ästhetischen Chirurgen (DGPRÄC).

Klare Kostenkontrolle

Um Fantasierechnungen bei Kostenvoranschlägen den Riegel vorzuschieben, sollte der Operateur außerdem eine Rechnung auf Basis der Gebührenordnung für Ärzte erstellen. Jacques Joseph machte sein Honorar angeblich vom Einkommen der Patienten und der Kollegen abhängig. Offensichtlich verstand sich der Pionier auch auf diesem Gebiet als Revolutionär.

DGPRÄC: Berufsverband und Wissenschaftliche Fachgesellschaft der Plastischen und Ästhetischen Chirurgen Deutschlands