Denn Behandlungen werden immer komplexer und Patienten immer älter. Trotz aller genauen Vor- und Nachsorge kommt es daher weiter zu Komplikationen. Ärzte, die das verschweigen, stellen die klinische Realität nicht richtig dar. Dabei sind Ehrlichkeit und Offenheit elementar, um das Vertrauen des Patienten zu gewinnen.

Es gibt jedoch unter Medizinern einen positiven Wertewandel. Immer weniger geht es inzwischen um die Frage, wer für mögliche Fehler verantwortlich ist. Im Mittelpunkt steht nun, gemeinsam nach den Ursachen zu forschen. Mit einem regelmäßigen Risiko- und Qualitätsmanagement gelingt so künftig deutlich mehr Sicherheit in den Kliniken und Praxen.

Vor allem interdisziplinär arbeiten heute Mediziner nach den Operationen zusammen, um den Patienten optimal zu betreuen.

Diese Entwicklung bestätigt auch eine Umfrage aus dem vergangenen Jahr. Durchgeführt und aktuell veröffentlicht haben sie die Deutsche Gesellschaft für Chirurgie und der Berufsverband Deutscher Chirurgen gemeinsam mit dem Aktionsbündnis Patientensicherheit. Rund 3.300 Kollegen gaben mit ihren Antworten  einen umfassenden Überblick, wie intensiv sie klinisches Risikomanagement bereits akzeptieren und umsetzen.  

Danach halten 99 Prozent aller Befragten die Sicherheit für wichtig bis sehr wichtig. 95 Prozent verwenden Checklisten während des Eingriffs und knapp 90 Prozent halten Berichte über kritische Vorkommnisse für erforderlich. Positiven Anklang finden regelmäßige Besprechungen, Infektionsstatistiken, Schulungen bei der Einführung neuer Geräte oder Produkte, genauso wie Identifikationsarmbänder für Patienten mit ihren elektronisch gespeicherten Unterlagen.

Transparenz ist ein weiteres, wichtiges Stichwort für mehr Sicherheit. Hier sorgen in den letzten Jahren zahlreiche Institute für mehr Aufklärung. So untersucht zum Beispiel das unabhängige IQWiG seit 2004 erfolgreich die Vor- und Nachteile sowie die Kosten medizinischer Leistungen.

Es berichtet, was diagnostisch oder therapeutisch nützlich und was überflüssig oder gar schädlich ist. Die Gutachten werden offen im Netz veröffentlicht. Dabei ist das Institut in seiner wissenschaftlichen Arbeit unabhängig. Das heißt, weder Industrie noch Krankenkassen oder Behörden beeinflussen die Inhalte der Expertisen.

In ähnlicher Richtung agiert CIRSmedical.de. Es ist ein Berichts- und Lernsystem der deutschen Ärzte, um kritische Ereignisse in der Medizin zu dokumentieren. Diese stellen Mitarbeiter des Gesundheitswesens anonym ein, um gemeinsam aus Fehlern zu lernen.

Vor allem interdisziplinär arbeiten heute Mediziner nach den Operationen zusammen, um den Patienten optimal zu betreuen. In der Vorsorge dagegen ist vor allem der Patient selbst gefordert. Aktionen, um ihn dafür zu motivieren und zu mobilisieren, gibt es seit einigen Jahren zwar viele – leider werden sie jedoch noch zu wenig genutzt. Besonders männliche Patienten greifen nur etwa 15 Prozent auf die zahlreichen Angebote zurück, während  weibliche mit circa 45 Prozent konsequenter vorsorgen.

Welche Methoden dieses Qualitätsmanagement aber am Ende von allen Beteiligten umgesetzt werden – relevant ist, dass diese Instrumente nicht um ihrer selbst willen existieren. Sie sollen am Ende dem Wohl des Patienten dienen.