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Home » BEST AGER » Mit Lebensfreude älter werden – Über Individualität, Pflege und das Beste, was noch kommt
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Designer, Moderator, Stilikone – Guido Maria Kretschmer ist einer der bekanntesten Deutschen, wenn es um Mode, Ästhetik und Persönlichkeit geht. Im Interview spricht er darüber, warum Alter für ihn vor allem eine Frage der inneren Haltung ist, auf welche Pflegrituale er schwört und was echte Individualität heute bedeutet – ehrlich, warmherzig und mit dem ihm typischen Blick fürs Wesentliche.

Herr Kretschmer, letztes Jahr haben Sie die 60 erreicht und starten weiterhin voller Energie und Lebensfreude in Ihr neues Jahrzehnt. Wie gelingt Ihnen das und welchen Tipp würden Sie unserer Leserschaft geben?

Ach, ich glaube, 60 ist nur eine Zahl. Für mich hat sich eigentlich gar nicht so viel verändert. Das Drumherum hat sich eher verändert, weil viele junge Menschen mich fragen: „Guido, wie alt bist du eigentlich?“ Wenn ich dann sage, ich bin 60, kommt oft: „Wie bitte, du bist schon 60?“ Das scheint also eine gewisse Hürde zu sein.

Ich wünsche mir einfach, oben wach und unten dicht zu bleiben – das ist mein Traum bis zum Ende, wenn es irgendwie geht. Ansonsten würde ich als Tipp sagen: Man sollte die Arme weit aufmachen und offen bleiben für alles, was kommt. Das Leben hat so viel parat – Gutes wie auch Schwieriges. Deshalb ist es unerlässlich, weiterhin die Dinge zu tun, die einem Freude bereiten, und vielleicht die klassische Vorstellung von Rente ein wenig beiseitezuschieben und mehr auf sich selbst zu hören.

Ich habe vor Kurzem in der Bahn eine Frau kennengelernt, die sagte: „Ich bin jetzt 68, man wollte mich immer schon verrenten, aber ich mache einfach weiter, solange es geht.“ Das fand ich einen schönen Gedanken. Offen zu bleiben und im Leben zu bleiben ist wichtig, denn Leben bedeutet auch Interaktion und sich selbst einzubringen. Wenn man nur noch sitzt, ist es, glaube ich, schnell vorbei.

Wie hat sich Ihr Blick auf Mode, Design und Stil im Laufe Ihrer Karriere verändert?

Er hat sich auf jeden Fall verändert – eine sehr gute Frage sogar. Ich glaube, die Zeit hat sich gedreht. Wir haben ein völlig anderes Schönheitsideal entwickelt, oft ohne zu merken, dass es gar nicht mehr wirklich mit dem übereinstimmt, was in uns angelegt ist. Wir neigen dazu, vieles zu kopieren: lange Wimpern, aufgespritzte Lippen – vieles wirkt sehr stereotyp. Selbst junge Menschen, die Mode ablehnen, haben oft ähnliche Frisuren. Ich sehe häufig blonde Mädchen mit halblangen Haaren, hinter die Ohren gesteckt, und denke: Wie gern würde ich euch helfen und sagen, probiert doch mal etwas Eigenes aus.

Diese Sehnsucht nach echter Individualität ist ein Stück weit verloren gegangen. Das merkt man auch in der Mode: Sie ist schneller und beliebiger geworden. Selbst nachhaltige Mode wirkt oft einheitlich. Es ist eine gewisse Uniformität entstanden, ohne dass es bewusst wahrgenommen wird.

Auf der anderen Seite gibt es Menschen, die komplett aus diesem System ausbrechen – oft in Ballungszentren. Städte wie Berlin haben ganz eigene Looks, die sich deutlich von anderen Städten unterscheiden. Gleichzeitig gibt es aber auch diesen „Worldstyle“: Egal wo man ist, viele tragen ähnliche Schuhe und ähnliche Hosen. Das hat sicherlich auch mit der Digitalisierung zu tun.

Welche Rituale oder kleinen Gewohnheiten helfen Ihnen im Alltag, bei sich zu bleiben?

Ich glaube, Kontemplation ist das A und O – das bewusste Wahrnehmen des Jetzt, des Seins. Jemand wurde einmal gefragt, was er am Nachmittag mache, und er antwortete: „Ich werde mich besuchen und schauen, ob ich zu Hause bin.“ Das ist eigentlich die Antwort auf alles. Es geht darum, in Kontakt mit den eigenen Werten, Momenten und auch mit anderen Menschen zu bleiben – und gleichzeitig offen zu sein für Neues. Sich überraschen zu lassen, auch von Dingen, die eigentlich schon festgelegt schienen.

Vielleicht ist das die Antwort: die Verbindung zu sich selbst. Diese kann man nur pflegen, wenn man weiß, wer man ist – auch wenn das im Alltag nicht immer leicht ist.

Das Leben
hat so viel
parat –
Gutes wie auch
Schwieriges. Deshalb ist
es unerlässlich, weiterhin
die Dinge zu tun, die
einem Freude bereiten.

Haben Sie einen persönlichen Tipp für Hautpflege oder Wohlbefinden, der für Sie unverzichtbar ist?

Routine und Rhythmus sind entscheidend – das würde ich jedem empfehlen. Ich bin da ein gutes Beispiel, denn ich sehe für mein Alter noch ganz okay aus. Natürlich spielen Gene eine Rolle, aber auch feste Pflegerituale. Ich sage immer: Einmal am Tag alles anfassen, was mir gehört. Das ist auch eine Form der Vorsorge, weil man merkt, wenn sich etwas verändert.

Ich habe feste Rituale: Zum Beispiel bürste ich mir etwa fünf Minuten lang die Haare mit einer Paddelbürste. Vielleicht ist das Unsinn, aber es tut meiner Kopfhaut gut, und ich hoffe, so meine Haare zu behalten. Mein Partner belächelt das immer und sagt: „Du bist ja ständig am Bürsten.“ Aber in diesen fünf Minuten denke ich über den Tag nach, reflektiere, lasse alles Revue passieren und überlege, was ich am nächsten Tag anders machen kann.

Diese Momente der Reflexion und des Nachspürens sind auch eine Form von Pflege – genauso wie ein Bad, das Eincremen oder kleine Rituale wie Nagelpflege. Der Körper verlangt nach Routine: schlafen, essen, berührt werden. Wenn man ihm das gibt, dankt er es einem.

Und ein ganz konkreter Tipp aktuell?

Der Perfect Teint Optimizer aus meiner neuen Skincare- & Make-up Linie bei ROSSMANN ist für mich eine echte Geheimwaffe. Ich empfehle ihn besonders Männern. Frauen können schnell dekorativ arbeiten, aber Männer gehen meist „pur“ durchs Leben. Wenn ein Mann dieses Produkt verwendet – zwei Tropfen genügen –, wirkt die Haut sofort frischer und mattierter. Oft ist es ja einfach ein Glanzproblem. Plötzlich denkt man: „Der sieht aber gut aus – was ist passiert?“ Und niemand ahnt, dass es nur ein kleines Produkt ist. Man sieht einfach gepflegt aus.

Abseits von Mode – welche Leidenschaft oder welches Hobby gibt Ihnen Energie und Kreativität?

Kunst. Ich begeistere mich sehr für das Talent anderer Menschen. Ich gehe gern in Ausstellungen und Galerien, lese viel darüber und liebe Kunst in all ihren Formen. Auch Theater gehört dazu.
Es gibt allerdings Dinge, die ich mir bewusst nicht mehr anschaue – wenn ich merke, dass sie mir nichts geben. Ich gehe nicht mehr in Konzerte oder höre Musik, die mir nicht gefällt. Aber grundsätzlich lasse ich mich gern begeistern und bin offen für viele Ausdrucksformen.

Sie und Ihr Ehemann leben mit drei Hunden zusammen. Was ist für Sie das Schönste daran?

Hunde sind für mich mehr als nur Tiere. Sie sind Ausdruck von Lebendigkeit und Fürsorge. Ich gebe ihnen viel – aber sie geben noch viel mehr zurück. Meine Windhunde sind sehr feine, sensible Wesen. Außerdem habe ich gerettete Hunde aus Tötungsstationen. Sie sind vorsichtig, dankbar und unglaublich liebevoll. Das berührt mich sehr. Ich frage mich oft, wie sie den Menschen so viel verzeihen können. Wenn ich das könnte, wäre das ein großes Geschenk.

Welche Erlebnisse oder Abenteuer möchten Sie in den nächsten Jahren noch erleben?

Ich wünsche mir vor allem Frieden. Dass Menschen lernen, Verantwortung an diejenigen zu geben, die Gutes im Sinn haben. Mehr Anstand, mehr Toleranz, mehr Dialog. Eine Gesellschaft, die Unterschiede zulässt und nicht sofort bewertet, wäre ein großer Fortschritt. Das würde vielen helfen – auch der Natur und den Tieren. Ich würde mir auch wünschen, dass wir wieder mehr Realität spüren und weniger in der Digitalisierung leben. Mehr echte Begegnung, mehr Nachdenken, vielleicht auch ein bisschen mehr Glaube an etwas Größeres als uns selbst.

Zum Abschluss: Welchen Rat geben Sie unserer Leserschaft, um Lebensfreude zu bewahren und aktiv zu bleiben?

Sich ein bisschen auf sich selbst zu freuen – jeden Tag. Zu erkennen, dass vieles funktioniert, was nicht selbstverständlich ist. Wenn man zum Beispiel merkt: Meine Beine tragen mich noch gut durch den Tag – dann kann man dafür dankbar sein. Solche Dinge erscheinen normal, sind aber ein großer Luxus.

Diese Dankbarkeit ist eine Form von Fürsorge, die oft unterschätzt wird. Sie hilft, auch in schwierigen Zeiten aktiv zu bleiben. Und sie ist vielleicht der erste Schritt zu einem besseren Leben – für sich selbst und für die Gesellschaft insgesamt.

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Fotos: ROSSMANN PR

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