Mia, eine ehemalige Straßenkatze aus Kreta, und Nala, zur Hälfte Bengalkatze mit großer Abenteuerlust, könnten unterschiedlicher kaum sein. Gemeinsam zeigen sie Lena und Chris, dass artgerechte Haltung nicht nach einem festen Schema funktioniert, sondern immer die individuellen Bedürfnisse jedes einzelnen Tieres in den Mittelpunkt stellen sollte.
Mit Nala und Mia leben zwei Katzen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen bei euch. Wie hat das euren Blick auf Katzenhaltung und Tierwohl verändert?
Sie zeigen uns jeden Tag, wie unterschiedlich Katzen sein können, obwohl sie vom Alter und Aktivitätslevel gut zusammenpassen. Beide lieben das Clickertraining. In vielen anderen Bereichen könnten sie jedoch kaum unterschiedlicher sein. Nala erkundet gerne mit uns die Welt und geht spazieren. Mia spielt wilder, bleibt lieber in vertrauter Umgebung und genießt vor allem Körpernähe.
Auch ihre „Love Languages“ sind verschieden: Für Nala bedeutet Bindung, gemeinsam etwas zu erleben. Mia zeigt und sucht Nähe besonders durch Kuscheln. Nala kam als schlecht sozialisierte Angstkatze zu uns und wollte anfangs kaum angefasst werden. Für Mia gehörte es auf der Straße dagegen zur Überlebensstrategie, Menschen für sich zu gewinnen, um Futter und Schutz zu erhalten. Tierwohl kann man nicht an festen Vorstellungen festmachen. Eine Katze muss nicht kuscheln, spazieren gehen oder dieselben Routinen mögen wie eine andere. Entscheidend ist es, ihre Persönlichkeit, Geschichte und individuellen Bedürfnisse ernst zu nehmen.
Mia kommt als ehemalige Straßenkatze aus Kreta. Welche Herausforderungen gab es, bis sie sich bei euch eingelebt hat, und was habt ihr aus dieser Erfahrung mitgenommen?
Die größte Herausforderung war die Zusammenführung mit Nala, die zuvor als unverträglich galt. Wir haben beide zunächst auf Kreta und später in Deutschland sehr behutsam aneinander gewöhnt. Trotz mehrerer tierärztlicher Untersuchungen auf Kreta wurde Mias Schwangerschaft nicht festgestellt. Kurz nach ihrer Ankunft bekam sie fünf Kitten. Plötzlich musste Nala statt einer neuen Katze sechs Tiere in ihrem Revier akzeptieren. Dieses Ungleichgewicht machte die Zusammenführung besonders anspruchsvoll. Wir mussten individuell arbeiten und neue Wege entwickeln, die man so nicht in einem Ratgeber findet: kleinschrittig, mit positiver Verstärkung und dem Wohl aller Tiere im Mittelpunkt. Eine Adoption endet nicht mit dem Einzug. Sie braucht Geduld, medizinische Verantwortung und die Bereitschaft, eigene Pläne immer wieder an das Tier anzupassen.

Je besser wir das
Verhalten einer
Katze verstehen,
desto fairer und
tiergerechter
können wir mit ihr
zusammenleben.
Ihr teilt viele Abenteuer mit Nala und Mia. Welche Erfahrungen habt ihr beim Reisen oder bei Ausflügen mit euren Katzen gemacht?
Beide Katzen können reisen, benötigen aber unterschiedliche Bedingungen. Nala liebt Spaziergänge und neue Umgebungen. Mia fühlt sich am wohlsten, wenn sie jederzeit in einen vertrauten Rückzugsort zurückkehren kann. Deshalb sind Transportbox, Camper oder Unterkunft für sie sichere Anker. Wir haben beide langsam an Auto, Geschirr, Geräusche und Ortswechsel gewöhnt. Reisen mit Katzen sollte niemals Selbstzweck sein. Entscheidend ist, ob eine Katze neugierig und ansprechbar bleibt oder die Situation nur aushält. Deshalb planen wir mit Pausen, sicheren Rückzugsmöglichkeiten und der Option, eine Aktivität jederzeit abzubrechen.
Wie schafft ihr ein Zuhause, das beiden gerecht wird und eine artgerechte Haltung ermöglicht?
Wir bieten beiden eigene Rückzugsorte, erhöhte Liegeflächen und ausreichend Ressourcen. Auch Routinen und Veränderungen müssen individuell betrachtet werden. Beim Training finden beide zusammen, beim Spielen, Erkunden und bei körperlicher Nähe brauchen sie unterschiedliche Angebote. Hinzu kommen bedarfsdeckendes Futter, tierärztliche Kontrollen und ein genauer Blick auf Verhaltensänderungen, da Katzen Schmerzen oder Unwohlsein oft nur subtil zeigen.
Habt ihr den Eindruck, dass das Bewusstsein der Allgemeinheit für Tierwohl gewachsen ist? Wo seht ihr noch Aufklärungsbedarf?
Ja, mehr Menschen beschäftigen sich mit Adoption, Ernährung, Beschäftigung und einer katzengerechten Gestaltung ihres Zuhauses. Gleichzeitig hält sich das Bild der anspruchslosen Katze, die einfach nebenherläuft. Besonders bei Körpersprache und sogenanntem Problemverhalten sehen wir noch Aufklärungsbedarf. Hinter Aggression, Rückzug oder Unsauberkeit stehen häufig Stress, Angst, Schmerzen oder unerfüllte Bedürfnisse. Je besser wir das Verhalten einer Katze verstehen, desto fairer und tiergerechter können wir mit ihr zusammenleben.
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