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Zu wenig, zu spät, zu sicher – die teuersten Fehler bei der Altersvorsorge

Foto: Quirin Leppert

Wie sichert man sich finanziell ab – besonders als Frau? Renate Fritz von Frau und Geld spricht im Interview über die häufigsten Fehler bei der Altersvorsorge, die Rentenlücke und warum es nie zu spät ist, die eigene finanzielle Zukunft selbst in die Hand zu nehmen.

Was bedeutet finanzielle Freiheit im Alter für Sie persönlich?

Finanzielle Freiheit ist in jedem Alter wünschenswert, weil sie Unabhängigkeit bedeutet: Sowohl jetzt als auch im Ruhestand. Das bedeutet für mich, dass in jedem Monat genug Geld zur Verfügung steht, um frei zu leben und seine eigenen Entscheidungen treffen zu können, ohne von jemandem abhängig zu sein. Diese finanzielle Freiheit für den Ruhestand kann man sich meist aber nur während der Erwerbszeit erarbeiten.

Was sind die häufigsten Fehler bei der Altersvorsorge?

Ganz kurz und knapp würde ich sagen: Zu wenig, zu spät, zu sicher. Zu wenig bedeutet, dass monatlich und regelmäßig nicht genug gespart oder investiert wird und z. B. bei einer Gehaltserhöhung die Spar-Beträge nicht dem gestiegenen Einkommen angepasst werden. Zu spät beschäftigen sich Menschen mit der finanziellen Altersvorsorge, weil andere Dinge priorisiert werden, weil man sich nicht beschränken möchte, der Ruhestand noch so weit weg ist oder man sich einfach (noch) nicht mit dem Thema beschäftigen will. Vermögen entsteht aber nun mal nicht aus nichts, sondern aus den Beträgen, die wir im Erwerbsleben nicht ausgeben. Mit zu sicher meine ich, dass in der Regel zu risikoscheu in konservative Anlageformen investiert wird, die kaum Renditechancen bieten.

Zwischen kurz-, mittel- und langfristigen Geldanlagen wird selten unterschieden und eingeordnet. Gerade Frauen befinden sich hier oft jahrzehntelang im Blindflug und sortieren Ihr Finanzverhalten nicht nach Zielen – und sind dann enttäuscht, wenn es nicht passt.

Was kann man mit 50 oder 60 noch finanziell verbessern?

Finanziell verbessern kann man sich in jedem Alter. Am besten immer erst einen Überblick verschaffen, was finanziell bereits vorhanden ist, wie die Rentenprognose aussieht und sehen, wo noch was fehlt. Dann kann man gezielt tätig werden und einen realistischen Plan erstellen, wie man sich dem Ziel nähern kann.

Gerade in den 50ern oder 60ern werden Verträge fällig, die man vor Jahrzehnten abgeschlossen hat. Diese freigewordenen Gelder können zielgerichtet in die eigene Vorsorge investiert werden. Es ist immer eine Verbesserung möglich, davon bin ich überzeugt!

Welche Rentenmodelle halten Sie aktuell für besonders sinnvoll – und warum?

Ich rate immer dazu, möglichst lange berufstätig zu bleiben, um die Abschläge so gering wie möglich zu halten. Natürlich klingt ein früherer Renteneintritt verführerisch, aber man muss ja nicht gleich von 100 auf 0 reduzieren. Neben der Möglichkeit, die Arbeitszeit zu reduzieren und so weiter im Beruf zu bleiben, gibt es nun auch die Möglichkeit, abgabefrei hinzuzuverdienen, auch wenn man bereits Rente bezieht. Wenn der Job also Spaß macht, würde ich immer dafür plädieren, ihn so lang wie möglich auszuüben. Gerade, wenn das Geld doch etwas knapper ist, kann man auf diesem Weg Rente gut machen, ohne weiterhin 40 Stunden in der Woche durchzupowern.

Es ist immer eine Verbesserung möglich, davon bin ich überzeugt!

Welche konkreten Schritte empfehlen Sie für den Vermögensaufbau und welche Anlageformen eignen sich für langfristige finanzielle Sicherheit?

Man muss sich zunächst bewusst machen, dass die gesetzliche Rente lediglich als Basis gedacht ist, die allein nicht ausreicht, um im Alter finanziell abgesichert zu sein. Eine zusätzliche Altersvorsorge ist also in jedem Fall und für fast jeden notwendig!

Dafür gibt es verschiedene Modelle wie z. B. private, geförderte oder betriebliche Rentenversicherungen, Fonds-Sparpläne eventuell mit Versicherungsmantel oder ETF-Depots, die später dafür sorgen, dass monatlich zusätzliche Gelder fließen, die dafür sorgen, dass der Alltag auch im Alter ausfinanziert ist. Auch Immobilien gehören hierzu, die über Mieteinnahmen oder Mietersparnis eine solche finanzielle Quelle bilden können.

In unseren Beratungen schauen wir uns die konkrete Situation unserer Kunden zunächst genau an, um dann einen individuellen Plan zu erstellen, der realistische Ziele ermittelt und zur jeweiligen Lebensrealität passt. Wichtig ist, dass in den Folgejahren auch immer mal wieder nachjustiert wird, Beiträge anpasst und Fonds geprüft werden oder mal eine Zuzahlung in den Vertrag oder das Depot geht, wenn gerade eine größere Summe Geld verfügbar ist. Mit einem Fondsdepot ist man unter Umständen etwas flexibler als mit einer privaten Rentenversicherung. Jedoch läuft diese von Beginn an konkreter unter „Altersvorsorge“ und frisst unterwegs keine Steuern, wenn die hinterlegten Fonds getauscht werden.

Warum sind Frauen häufiger von Altersarmut betroffen – und was können sie konkret tun, um das möglichst zu vermeiden?

Gerade bei Frauen sehen wir das Problem, dass die monatlichen Zuflüsse im Ruhestand zu gering sind, das stimmt. Die Ursachen sind vielfältig. Manche verlassen sich lieber auf ihre Männer, weil sie sich selbst nicht zutrauen, sich mit dem Thema Finanzen auseinanderzusetzen. Aber: Ein Mann ist keine Altersvorsorge! Jede zweite Ehe wird geschieden, das ist nun mal die Realität. Zudem nehmen nach wie vor eher die Mütter Elternzeiten, arbeiten überdurchschnittlich oft in geringer Teilzeit, um der Familie gerecht zu werden, was die Rentenlücke ebenfalls vergrößert. Teilzeitarbeit ist Teilzeitrente! Wenn die Frauen dann überall noch lesen, dass ihre Altersarmut quasi schon vorprogrammiert ist, dann stecken sie schnell den Kopf in den Sand. Dabei sollten finanzielle Entscheidungen immer gemeinsam gedacht und getroffen werden, um beide Partner einigermaßen paritätisch im Alter abzusichern. Das kann z. B. heißen, dass der Mann seine Altersvorsorge in solchen Zeiten etwas zurückstellt und davon etwas in die der Frau investiert. Das ist gelebte Gleichberechtigung, denn ein Kind ist doch eine gemeinsame Entscheidung. Warum sollte alleine die Frau finanzielle Nachteile der Familienplanung haben?

Wir haben die Erfahrung gemacht, dass es seitens der Frauen wirklich nicht am finanziellen Verständnis hapert, sondern eher an der Motivation oder dem Mut, sich diesem Thema zu stellen. Aus diesem Grund möchten wir Frauen immer wieder dazu ermutigen und motivieren, sich dem Thema Finanzen zu widmen, sich zu informieren und selbst aktiv zu werden.

Ihr wichtigster Rat für ein finanziell selbstbestimmtes Leben im Alter?

Das Wichtigste ist, dass man eigenes Geld verdient. Finanzielle Unabhängigkeit lässt sich nur mit eigener, bezahlter Arbeit und Geld auf einem eigenen Konto erreichen. Davon profitiert dann auch das spätere Rentenmodell, für das man sich entscheidet. Zudem sollte man sich weder auf den Partner noch allein auf die gesetzliche Rente verlassen. Für finanzielle Freiheit im Alter kann man nur selbst sorgen.

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