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SOMMER

Drei Fragen an FLORIAN HECKER

Foto: Shutterstock, 1899421744


Florian Hecker

Leiter Stadtwerbung und Kommunikation der EMG

Urbanes Wandern verändert den Blick auf Städte grundlegend. Welche Rolle spielt dieses Konzept für die Positionierung von Essen als Reiseziel – gerade in Abgrenzung zu klassischen Naturdestinationen?

Essen ist immer noch ein Geheimtipp unter den klassischen Städtetrips. Hinzu kommt, dass viele Menschen in Deutschland weiterhin ein veraltetes und falsches Bild vom Ruhrgebiet haben. Essen ist seit 2017 „Grüne Hauptstadt Europas“ und drittgrünste Stadt Deutschlands. Dies erfährt man vor allem während des Wanderns auf einem der vier hochklassigen Wandersteige. Das Besondere an Essen als Reiseziel ist, dass Touristen hier einen klassischen Städtetrip – mit allen Annehmlichkeiten, wie Hotels, Kultur und Gastronomie – mit anspruchsvollem Wandern verbinden können. Das macht uns einzigartig. Niemand erwartet, dass er nur 20 Minuten vom Zentrum entfernt zwischen 26 und 35 Kilometern am Stück ausschließlich durch die Natur wandern kann und dabei zwischen 300 und über 1.000 Höhenmetern absolviert. In Essen ist das auf insgesamt 120 Kilometern Länge, verteilt auf vier Wandersteige möglich.

Essen ist immer noch ein Geheimtipp unter den klassischen Städtetrips.

Digitale Wanderwege verbinden Bewegung mit Information und Storytelling. Wie verändert diese Entwicklung die Erwartungen von Besuchern – und welche Chancen ergeben sich daraus für Städte im Wettbewerb um Aufmerksamkeit?

Für uns sind Outdoorportale wie komoot besonders wichtig, um das Thema „urbanes Wandern“ bei der Zielgruppe zu platzieren. Die digitale Routenführung macht das Wandern besonders einfach, zusätzlich zu den durchgehend markierten Steigen. Gleichzeitig bieten wir Wanderern zahlreiche Informationen, die das Erlebnis ergänzen. Indem wir die touristischen Highlights entlang der Strecken erfahrbar machen, bieten wir einen absoluten Mehrwert. Entlang eines Steiges ein UNESCO-Welterbe zu besuchen oder in Deutschlands größtem Einfamilienhaus, der Villa Hügel, eine Pause einzulegen, ist einzigartig. Es ist aber immer noch so, dass viele Wanderer das Thema „urbanes Wandern“ nicht auf dem Schirm haben. Durch die digitale Präsenz unseres Angebots schaffen wir es aber immer öfter, aufzufallen und zu überraschen.

Gerade im Ruhrgebiet treffen Industriegeschichte und neue Lebensräume aufeinander. Wie können urbane Trails und digitale Formate dazu beitragen, diesen Wandel erlebbar zu machen, ohne ihn zu inszenieren oder zu verfälschen?

Essen und das Ruhrgebiet sind immer authentisch und unverfälscht. Hier tragen die Menschen das Herz auf der Zunge und so rau ist teilweise die Natur. Das UNESCO-Welterbe Zollverein ist genau so ein Ort, wo man dies erlebt. Große Teile der einstigen Steinkohlezeche und Kokerei wurden bewusst sich selbst überlassen. Hier sind Wälder und Biotope entstanden, die heute mehr als 1.000 unterschiedlichen Lebewesen ein Zuhause bieten. Und genau hier lässt es sich dann einzigartig Wandern. Rundherum warten zudem die früheren Abraumhalden auf Besucher, die einen 360-Grad-Blick auf das grüne Ruhrgebiet werfen wollen. Unsere Berge sind nicht hoch, aber wir haben sie selbst gebaut und zu einzigartigen Orten mit wilder Natur gemacht.

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