Frau Boss, welche Versicherungen braucht man überhaupt?

Zunächst natürlich eine Krankenversicherung, die ja aber ohnehin und aus guten Gründen verpflichtend ist. Abschließen sollte jeder eine Privathaftpflichtversicherung, und wer berufstätig ist, eine Berufsunfähigkeitsversicherung. Darüber hinaus kommt es auf die individuellen Begebenheiten an – wenn ich Wohngebäude besitze, gehört eine Wohngebäudeversicherung dazu, hab ich eine Familie, brauche ich eine Risikolebensversicherung, um die Familie zu schützen. Versicherungen sind da, um zu beschützen, insofern kommt es immer darauf an, was es zu beschützen gibt.

Was ist mit einer Hausratversicherung?  Vor dem Verlust des Hausrats muss man sich doch auch beschützen.

Das macht natürlich Sinn, aber nicht an erster Stelle. Die Hierarchie ergibt sich eigentlich aus der generellen Frage: Welche Risiken können mich finanziell so schwer treffen, dass ein wirklicher Ruin droht? Das heißt, wenn ich mit dem Fahrrad unterwegs bin und einen Passanten umfahre? Das lebenslang zu kompensieren, könnte mich finanziell ruinieren.

Wenn ich mein Wohngebäude nicht versichert habe und es brennt komplett ab, wäre ich ruiniert, wenn ich nicht mal eben 500.000 Euro auf dem Konto liegen habe. Wenn ich als Haupternährer sterbe, entsteht meiner Familie ein existenzieller Schaden. Bei der Hausratversicherung relativiert sich das in der Regel etwas. Klar ist es ärgerlich, wenn etwa durch ein Feuer oder einen Wasserschaden Sachen vernichtet werden. Aber meistens entsteht dadurch keine existenzielle Bedrohung. Kurz gesagt: Wenn alle größeren Risiken abgesichert sind und der Hausrat einen hohen Wert darstellt, macht eine Hausratversicherung natürlich Sinn.

Welche Rolle spielen situative Unterschiede, wie zum Beispiel, ob man in einem Haus wohnt oder in einer Wohnung, am Berg oder an der Küste?

Grundsätzlich ändert sich natürlich der Versicherungsbedarf mit der Lebenssituation – ein Schüler braucht was anderes als ein Rentner oder eine junge Frau mit Kind. Das orientiert sich aber viel mehr am Menschen als an der Umgebung. Es gibt auch eine Elementarschadenversicherung, gegen Überschwemmungen oder Schneedruck und solche Sachen, aber auch die hat meist wenig damit zu tun, wo man wohnt, das ist im Zweifelsfall an der Küste genau das Gleiche wie auf dem Land.

Wir fordern jeden auf, einfach mal eine Bedarfsermittlung zu machen, dafür stellen wir kurze, knackige Broschüren kostenlos zur Verfügung, das kann man auch mit wenigen Klicks auf unserer Website machen.

Viele Menschen finden das Thema Versicherungen kompliziert. Warum macht es keinen Sinn, einfach alle nötigen Versicherungen beim selben Anbieter abzuschließen?

Na ja, theoretisch könnte das ja schon Sinn machen – es ist bloß praktisch nicht zu empfehlen. Man sollte sich, wie bei jeder anderen Kaufentscheidung, einfach nach den besten Bedingungen umschauen, und da gibt es eben Unterschiede zwischen den Versicherungssparten. Die einen haben hier viel bessere Leistungen, die anderen da, das ist wie in anderen Branchen auch. Wer die besten Sportwagen baut, baut nicht unbedingt die besten Trecker. Darum sollte man sich auch immer unabhängig informieren, also nicht den Sportwagenhersteller fragen, sondern eine Verbraucherzentrale, einen Versicherungsberater oder uns beim Bund der Versicherten.

Ist es denn wirklich so schlimm, wenn man keine Versicherung abschließt? Welche Konsequenzen können daraus schlimmstenfalls entstehen? Oder anders gefragt: Kann ich nicht einfach schnell eine Versicherung abschließen, wenn „was passiert“ ist?

(lacht) Nein, das geht nicht, da gibt es natürlich Fristen und Bedingungen, die eingehalten werden müssen. Darum raten wir auch, wie eingangs erwähnt, dazu, sich erst einmal vor allem um die wirklich existenziellen Risiken zu kümmern. Da liegen die möglichen Konsequenzen ja auf der Hand: Schlimmstenfalls rutsche ich sozial total ab, werde Hartz-IV-Empfänger und zahle mein Leben lang für eine Unachtsamkeit, einen dummen Zufall.