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Im eigenen Garten die Natur zuhause spüren

Fotos: Alexandra Lehne

Alexandra Lehne, Moderatorin und Gartendesignerin erzählt im Interview über die Schönheit der Natur, wie man seinen Garten am besten pflegt und wie sich die Saison am besten starten lässt.

Frau Lehne, Sie sind auf Gartendesign spezialisiert. Worauf muss man bei der Gartenplanung besonders achten?

Es gibt 5 Dinge, die bei der Gartenplanung vornehmlich beachtet werden sollten, damit sich alle Bewohner langfristig im Garten zu jeder Jahreszeit wohl fühlen.

  • Der Garten sollte eine sanfte und natürliche Verbindung zwischen Haus und Umgebung herstellen. Dabei sind nicht nur geometrische Formen, sondern auch Proportionen der einzelnen Bereiche sehr wichtig.
  • Der Garten sollte zum Stil und zu den Bedürfnissen der Bewohner passen, sowie das Innere des Hauses nach außen bringen. Er ist quasi eine wertvolle Wohnraumerweiterung.
  • Weniger ist mehr. Achte auf stimmigen Materialmix. Nutze in der Regel mehr Pflanzen als Beläge und betone die Natur.
  • Pflanze mit saisonalem Charakter. Der Garten sollte das ganze Jahr über ansprechend und interessant aussehen. Dabei spielen nicht nur Blütezeit, sondern auch Standort, Blüten- und Blattfarbe sowie Blattgröße eine wichtige Rolle.
  • Spiele mit Kontrasten in jeglicher Form. Beispielsweise passt Holz gut zu Formschnitthecken (weich vs. hart) oder umgekehrt Stein wunderbar zu Gräsern, die das harte Material Stein aufweichen.

Eine wohl durchdachte Planung nutzt jeden Winkel optimal und vermeidet tote Ecken, die nicht genutzt werden. Außerdem kann ein gut angelegter Garten eine optische Vergrößerung des Grundstücks bewirken. So fühlen sich Menschen mit Minigärten mitunter wie in einem kleinen Park. Ein letzter Tipp: Sei sorgsam mit der Deko und überlade deinen Garten nicht.

Der Frühling naht und jeder Gartenliebhaber spürt den Drang, sich in seinem Garten zu verausgaben und ihn auf Vordermann zu bringen. Womit sollte man beginnen und warum?

Zum Saisonstart ist es zu allererst wichtig , sich zu überlegen, ob im Garten etwas fehlt, eingegangen ist oder sich allgemein neue Wünsche entwickelt haben. Man macht also einen Plan. Das gilt sowohl für den Nutz- als auch für den Ziergarten. Altes und abgestorbenes wird entfernt, der Boden gelockert, der Rasen erhält seine erste Pflege und es kommt zu Rückschnitten und ersten Düngegaben. Da der Boden in der starken Frühlingssonne schnell austrocknet, sollte ausreichend gegossen werden.

Es gibt (je nach Garten und Pflanzen) genaue Pflegeanleitungen, die ich immer gerne bei meinen Planungen dazu lege.

Kleiner Tipp: Je nach Witterung kann sogar schon gepflanzt werden. Das gilt vornehmlich für Gehölze aus der Baumschule. Alles was blüht, kommt am Anfang der Saison aus dem Gewächshaus und ist nicht daran gewöhnt, im Garten in der frühen Jahreszeit zu überleben.

Wann macht ein Gartendesigner Sinn? Wem würden Sie dazu raten und wem abraten?

Ein großer Teil meiner täglichen Arbeit besteht darin, bestehende Gärten – oft ganz frisch gestaltete- zu „retten“ und sie umzugestalten, weil die Bewohner sich darin nicht wohl fühlen. Oft sind es kleine Dinge mit großem Ausmaß, die man durch eine gute Planung hätte von vorne herein vermeiden können. Von daher rate ich JEDEM, sich vorab ein Konzept zu machen und sich dann gegebenfalls Hilfe zu holen. Der Garten ist Wohnraum und ist daher wie das Haus zu betrachten. Die wenigsten bauen dieses ohne Architekt.

Ich möchte sogar behaupten, dass der Garten für viele eine noch größere Herausforderung ist, weil a) die räumliche Begrenzung fehlt (vornehmlich das Dach) und b) weil er lebt und sich verändert. Die Auswahl des geeigneten Planers ist nicht so einfach, es muss sowohl menschlich als auch vom Stil her zusammen passen. Ich empfehle immer einen Ersttermin zum beschnuppern und austauschen und dann merkt jeder schnell, ob die Zusammenarbeit Sinn macht oder nicht. Die Aufgabe eines guten Planers ist es, die Gedanken und Wünsche der Bauherren zu Papier zu bringen (nicht seine eigenen!), mit Erfahrungswerten zu beraten und den Budgetrahmen zu beachten.

Es sind sehr viel Gespür und Menschenkenntnis notwendig, denn ich bin als Planer auf der Suche nach dem Gefühl, welches ich beim Bauherren auslöse, wenn er in seinem fertigen Garten steht. Erst wenn ich weiß, was die Bewohner persönlich bewegt und wonach sie sich sehnen, kann ich für sie ihren Garten gestalten.

Welcher ist Ihr Lieblingsplatz im Garten und warum?

Das ist eine schwierige Frage, denn ein Garten sollte entsprechend der Jahreszeiten unterschiedliche Plätze haben. Und jeder davon hat einen Sinn. Ich persönlich mag beispielsweise einen sonnigen, warmen Platz zum frühstücken draußen in der Frühlingssonne. Ich mag aber auch schattige und dichte grüne Bereiche im Hochsommer, eine alte Bank unter der Fliederhecke, eine große Decke auf der duftenden Wiese – zwischen Hortensien- und Holunderbüschen, eine mit duftenden Rosen umrankte Pergola, ein Gewächshaus voller saftiger Tomaten, eine Hängematte zwischen alten Apfelbäumen oder ein schwerer Findling am sanft dahin gurgelnden Bach. In meinem Garten liebe ich jede Ecke, weil sie Erinnerungen in mir hervorrufen, ein Gefühl von Geborgenheit, Sinnlichkeit und Frieden. Und dieser Duft! Ein Duft nach Sommer und Leichtigkeit.

Verraten Sie uns doch zuletzt noch Ihre 3 besten Tipps für die Gartenarbeit und 3 Must-Haves, auf die niemand, der seinen Garten liebt, verzichten sollte.

Wer seinen Garten liebt, liebt auch dessen Bewohner und sollte demnach auf gar keinen Fall auf Ecken und Pflanzen verzichten, die Wildtieren im Garten ein Zuhause geben und sie ernähren. Ich beziehe die Must-haves auf Pflanzen und ich finde, dass in jedem Garten ausreichend Strukturpflanzen zu finden sein sollten (das sind alle Gehölze- immergrüne und auch laubabwerfende). Das nächste sind Stauden und Gräser, die dafür sorgen, dass der Garten immer anders aussieht. Dazu gehören übrigens auch einjährige Stauden- mit denen kann man wunderbare Sommerlandschaften zaubern. Drittens finde ich die Elemente Wasser und Feuer sehr wichtig, eins davon wird meistens vergessen. Wasser findet in jedem Garten Platz, es reicht auch ein Trog oder Kübel, es muss kein Teich sein.

Bezüglich der Gartenarbeit habe ich natürlich jede Menge Tipps, die wichtigsten wären wohl diese hier:

  • Achte auf guten Boden und Wasser. Dünge auf natürliche Art und Weise.
  • Öffne bei der Pflanzung von Container- oder Topfware den Wurzelballen, damit die Wurzeln aus ihrer „Containerform“ entwachsen können, nur so ist gewährleistet, dass die Pflanze sich entwickeln kann.
  • Höre auf Dein Bauchgefühl und sei mutig, probiere aus und wachse gemeinsam mit Deinem Garten. Und wenn Du Hilfe brauchst, frage jemanden, der es weiss.

Ich wünsche allen ein wunderschönes und buntes Gartenjahr. Alles Liebe!

Sie möchten mehr über Alexandra Lehne erfahren?

Verfolgen Sie ihren inspirierendes Weg unter gartendesign-lehne.de

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