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„IT-Security macht Spaß!“

„IT-Security macht Spaß!“
„IT-Security macht Spaß!“
Philipp Kalweit: 'Grundsätzlich birgt jede neue Technologie auch potenzielle Gefahren, die es gilt präventiv abzudecken.' Foto: kalwe.it/presse

Informationstechnik ist ein Phänomen. Je wichtiger die Infrastruktur wird, die unser Informationszeitalter überhaupt ermöglicht, umso weniger scheinen wir davon zu verstehen. Je komplexer die Systeme werden, umso komplexer wird die ganze Sache. Für Philipp Kalweit, den 18-jährigen Gründer und Geschäftsführer von Kalweit ITS, ist die Beratung von Unternehmen und Institutionen in Sachen IT-Sicherheit darum gesellschaftliche Notwendigkeit und persönliche Herzensangelegenheit zugleich.

Herr Kalweit, immer komplexere, intelligentere IT-Systeme ermöglichen immer effizientere Strukturen und Prozesse. Wachsen mit den Möglichkeiten automatisch auch die Risiken?

Grundsätzlich birgt jede neue Technologie auch potenzielle Gefahren, die es gilt präventiv abzudecken – was aufgrund des Innovationsaspektes allerdings zumeist erst mal in den Hintergrund rückt. Ein bekanntes Beispiel ist die Einführung von Sicherheitsgurten in der Automobilindustrie: erst die technologische Errungenschaft, dann die gesellschaftliche Reaktion und Regulierung.

Das lässt sich nicht prinzipiell ändern – es gilt also, diese beiden Pole in ein zeitlich angemessenes Verhältnis zu setzen. Wir müssen versuchen, mit dem Bewusstsein immer möglichst nah bei der Entwicklung zu sein. Das wird natürlich immer anspruchsvoller, je schneller die Dinge sich ändern, und kann in meinen Augen darum immer weniger sich selbst überlassen werden.

Die Digitalisierung bringt einfach zu schnell zu komplexe Innovationen hervor, als dass ein gesellschaftliches, regulatorisches Momentum sich schnell genug und problemgerecht entfalten könnte. Um mit den potenziellen Risiken angemessen umzugehen, bedarf es daher aus meiner Sicht starker staatlicher Impulse, sich mit IT-Sicherheit zu befassen. Zugespitzt formuliert: Da bräuchten wir vom Staat mehr eine Vorbildfunktion.

Da ist es wahrscheinlich nicht gerade hilfreich, wenn staatliche Institutionen – siehe das Beispiel „Bundestagshack“ – selbst nicht gerade Herr der Lage zu sein scheinen.

Das ist ein entscheidender Punkt: Es fällt schwer, auf Appelle seitens der Politik zu hören, wenn sie die Sicherheit der eigenen behördlichen Infrastruktur nicht  wirklich gewährleisten kann.

Da reicht die rein formale Autorität nicht aus. Und wenn der Eindruck entsteht, dass auch die eigentlich Verantwortlichen den Entwicklungen nicht angemessen begegnen können, laufen wir Gefahr, dass die Kluft zwischen technologischer Realität und ordnungspolitischer Reaktion immer größer wird – und im schlimmsten Fall irgendwann strukturell unüberbrückbar scheint.

Sie beraten nicht nur Unternehmen, sondern auch öffentliche Institutionen. Wie helfen Sie Ihren Kunden bei dieser riesigen Herausforderung?

Es gibt natürlich sehr viele verschiedene Akteure, die sich mit dem Thema IT-Sicherheit beschäftigen – was uns signifikant unterscheidet, ist, dass wir Sicherheitsmaßnahmen und -standards nicht nur verkaufen, sondern auch sicherheitsrelevante Stärken und Schwächen herausstellen, indem wir versuchen, Systeme aufzubrechen und Schwachstellen zu identifizieren.

Das ist deshalb so wichtig, weil man als „Angreifer“ eine ganz andere Herangehensweise hat: Wer sich verteidigen will, muss möglichst alle denkbaren Angriffspunkte antizipieren – wer angreift, kann sich auf eine Schwachstelle konzentrieren. Wir versuchen, beide Dimensionen nachzuvollziehen und für unsere Kunden abzubilden.

Informatik im Allgemeinen und die Sicherheit von modernen IT-Systemen im Speziellen sind für die allermeisten Menschen schon grundsätzlich kaum zu verstehen – und das Ganze wird auch noch immer schneller immer komplexer. Erleben Sie oft, dass Ihre Ansprechpartner im Grunde schlicht und einfach nicht mehr mitkommen?

Das ist tatsächlich der Grund, warum ich mein Hobby zum Beruf gemacht und dieses Unternehmen gegründet habe. Mir geht es in erster Linie nicht um „das Geschäft“, sondern wirklich um die Sache, nämlich einen Beitrag zu leisten, unsere Systeme sicherer zu machen – und dabei das Thema IT-Sicherheit nicht nur verständlicher, sondern auch attraktiver darzustellen.

Denken Sie zum Beispiel an moderne Actionfilme, in denen das Austricksen komplizierter Sicherheitssysteme eine aufregende Herausforderung ist, die geniale Technik ebenso wie kreatives Denken verlangt. Das ist auch mein Grundgedanke: IT ist spannend! IT kann Spaß machen! Mal ganz abgesehen von der längst existenziellen Rolle und Bedeutung für unsere Gesellschaft. IT-Security könnte aus vielen Gründen als regelrechte „Königsdisziplin“ wahrgenommen werden – sie wird aber vor allem als unglaublich langweilig, als bürokratisches „notwendiges Übel“ kommuniziert.

Das beste Beispiel ist die DSGVO: Der Grundgedanke war und ist doch im Sinne der vorhin angesprochenen gesellschaftspolitischen Reaktion, uns und unsere Grundrechte zu schützen! Aber wie wird die Geschichte kommuniziert? Hauptsächlich als nerviger,  irgendwie diffusen Systemzwängen geschuldeter Katalog neuer Regeln, die es jetzt nun mal zu befolgen gilt.

Die IT-Abteilungen stöhnen auf und informieren die Mitarbeiter sowie Kunden nach dem Motto: „Tut uns leid, wir wissen, es ist super langweilig, aber wir sind verpflichtet, euch über eure neuen Verpflichtungen in Kenntnis zu setzen …“ Da wird in meinen Augen vieles nicht besonders gut gemacht. Mein persönliches Ziel ist, es besser zu machen. Dafür stehe ich mit meinem Unternehmen.“ –> „Die IT-Abteilungen stöhnen auf und informieren die Mitarbeiter sowie Kunden nach dem Motto: „Tut uns leid, wir wissen, es ist super langweilig, aber wir sind verpflichtet, euch über eure neuen Verpflichtungen in Kenntnis zu setzen …“ Da wird in meinen Augen vieles nicht besonders gut gemacht; unabhängig der fehlenden Praxisnähe der DSGVO. Mein persönliches Ziel ist, es besser zu machen. Dafür stehe ich mit meinem Unternehmen.

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Wie leben Menschen mit HIV heute? Wie andere auch!

Gesprächsrunde mit Experten – vom Arzt bis zum Pharmaunternehmen.

 

Prof. Dr. Norbert H. Brockmeyer

Zentrum für Sexuelle Gesundheit und Medizin – Walk in Ruhr (WIR), Dermatologische Klinik, St. Elisabeth Hospital, Ruhr-Universität Bochum

 

Wie sieht die HIV-Prävention 2016 aus?

Die Prävention vor HIV und anderen sexuell übertragbaren Infektionen (STI) ist auch 2016  die wichtigste Voraussetzung, um die Zahl der Neuinfektionen zu senken bzw. möglichst frühzeitig die Diagnose zu stellen und die Behandlung zu beginnen. Denn gerade dies macht uns in Deutschland Sorgen: Häufig kommen Betroffene erst mit fortgeschrittenen Infektionen zum Arzt, die Behandlung wird dadurch schwieriger und womöglich haben sich zwischenzeitlich bereits weitere Personen infiziert. Um Infektionsketten zu unterbrechen, müssen wir Versorgungsangebote schaffen, die gut und einfach angenommen werden. In Bochum haben wir das Zentrum für Sexuelle Gesundheit und Medizin am Katholischen Kinikum Bochum eröffnet, das „Walk In Ruhr – WIR“. Gemeinsam mit der Bochumer Aidshilfe, dem Gesundheitsamt, Pro familia, Rosa Strippe und Madonna richten wir uns vor allem an junge Menschen, Menschen mit Migrationshintergrund, Sexarbeiterinnen aber auch an die Allgemeinbevölkerung.

Welche Übertragungswege bei HIV sind die häufigsten?

Häufigster Übertragsungsweg ist der Geschlechtsverkehr, in Deutschland meist bei Männern, die Sex mit Männern (MSM) haben, also anal (bei anderen STI auch oral). Zunehmend beobachten wir in der Szene auch das Problem von „ChemSex“, das heißt es werden chemische Drogen beim oder vor dem Sex eingenommen, teils auch intravenös. Kontrollverlust, das Teilen von Nadeln, Unterschätzung des Risikos – all das führt zu einer erhöhten Infektionsgefahr – nicht nur für HIV, sondern auch für andere sexuell übertragbare Infektionen. Das individuelle Risiko kennen, Schutz durch Kondom, Impfungen gegen Hepatitis A und B sowie die HPV-Impfung (humane Papillomviren) bei Mädchen, Jungen und jungen Erwachsenen sind auch in 2016 die wichtigsten Präventionsmethoden. In Bezug auf HIV wird dieses Jahr wahrscheinlich noch die Prä-Expositionsprophylaxe (PrEP) zugelassen. Die Einnahme der HIV-Medikamente vor einem Risikokontakt wird jedoch nur für bestimmte Situationen und Menschen mit besonderem Risiko sinnvoll und zu empfehlen sein.

 

Holger Wicht

Referent für Öffentlichkeitsarbeit und Pressesprecher Deutsche AIDS-Hilfe

 

Wie leben Menschen mit HIV heute?

Wie andere Menschen auch! Seit Mitte der 90er Jahre stehen hoch wirksame Medikamente gegen HIV zur Verfügung. Sie verhindern die Vermehrung des Virus im Körper. Eine Heilung ist noch nicht möglich, aber der Ausbruch der Krankheit Aids lässt sich so verhindern. Menschen mit HIV haben heute eine fast normale Lebenserwartung und alle Chancen für ein erfülltes Leben. Ob Job, Familie, Freizeitaktivitäten, Sexualität – mit einer gut wirksamen Therapie  gibt es kaum Einschränkungen. HIV-Positive können jeden Beruf ergreifen, Marathon laufen oder auf natürlichem Wege Kinder zeugen und zur Welt bringen. Die Medikamente verhindern nämlich auch die Übertragung des Virus. Ist HIV im Blut dauerhaft nicht mehr nachweisbar, kann man sogar auf Kondome verzichten. Voraussetzung für den Therapieerfolg ist, dass man sich rechtzeitig behandeln lässt. Eine wichtige Botschaft lautet daher: Im Zweifel einen HIV-Test machen. Schwulen Männern, die ein höheres Risiko haben, empfehlen wir einen regelmäßigen Test einmal pro Jahr.

Müssen HIV-positive Menschen noch Ausgrenzung fürchten?

Obwohl sich schon viel getan hat, ist Diskriminierung leider immer noch häufig. Am schlimmsten ist es im Gesundheitswesen: Da kann es zum Beispiel vorkommen, dass man keinen Zahnarzttermin bekommt oder nur den letzten am Tag, weil danach angeblich der Behandlungsraum desinfiziert werden muss. Aber auch in der Familie, dem Arbeitsleben oder im Freundeskreis kommt es immer wieder zu Ausgrenzung und Abwertung. Meist sind Ängste vor einer Ansteckung im Spiel – obwohl im Alltag nichts passieren kann. Weil HIV sexuell übertragen wird, schwingen außerdem Tabus und Vorurteile mit. Das heißt es dann manchmal: „Selber schuld!“ oder sogar „Geschieht dir recht!“ Besonders fatal: Stigmatisierung trägt dazu bei, dass Menschen sich aus Angst vor Ablehnung nicht auf HIV testen lassen. 13.000 wissen in Deutschland nichts von ihrer Infektion und erhalten daher keine Therapie. Sie laufen Gefahr, Aids zu bekommen und können das Virus leichter weitergeben.

 

Dirk Lullies

Pressereferent Verband der Privaten Krankenversicherung e.V.

 

Lohnt sich das Präventionsengagement gegen HIV und AIDS?

Auf jeden Fall. Dank der jahrelangen erfolgreichen Präventionsarbeit ist die Neuinfektionsrate in Deutschland stetig gesunken und heute vergleichsweise gering.
Die Private Krankenversicherung hat die Präventionsarbeit gegen HIV und AIDS von Anfang an unterstützt. Dabei geht es nicht nur darum, als Kostenträger das Gesundheitssystem zu entlasten. Die Behandlung jedes HIV-Infizierten verursacht extrem hohe Kosten von durchschnittlich fast 20.000 Euro pro Jahr, denn sie ist mit der lebenslangen Einnahme von Medikamenten verbunden. Das ist sehr viel Geld, das letztlich nicht für die Behandlung anderer Krankheiten zur Verfügung steht. Aber wer HIV ausschließlich auf die finanziellen Folgen für die Solidargemeinschaft reduziert, verkennt die übrigen Dimensionen des Problems.
Noch immer ist AIDS unheilbar und bleibt eine Krankheit, die trotz aller medizinischen Fortschritte großes seelisches, körperliches und auch soziales Leid bedeutet. Die Medikamente sind oft mit Nebenwirkungen verbunden. Daher lohnt sich das Präventionsengagement weiterhin – für die gesamte Gesellschaft, aber insbesondere für jeden einzelnen Menschen, der dadurch eine HIV-Infektion vermeidet.

Wie wichtig ist das Thema Aufklärung in Bezug auf sexuell übertragbare Krankheiten in Deutschland?

Das Wissen über HIV und AIDS ist heute auf einem hohen Niveau. Die meisten Deutschen wissen, wie sie sich schützen können, und benutzen Kondome in Risikosituationen. Trotz aller Präventionserfolge stecken sich aber noch immer jedes Jahr Tausende von Menschen in Deutschland neu mit HIV an. Andere bekommen die Diagnose erst spät gestellt. Und während die HIV-Infektionsrate in der Gesamtbevölkerung vergleichsweise stabil ist, steigen die Infektionszahlen bei anderen sexuell übertragbaren Krankheiten. Daher tut Aufklärung weiter Not. Die Private Krankenversicherung fördert seit mehr als zehn Jahren die erfolgreiche Präventionsarbeit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) gegen HIV und AIDS. Man kann sagen, dass Deutschland auch dadurch international als Vorbild gilt.
Mit ihrer neuen Kampagne „Liebesleben“ versucht die BZgA, die Erfolge der HIV-Prävention zu erhalten, zugleich aber das Wissen um andere sexuell übertragbare Infektionen in der Gesamtbevölkerung zu steigern. Die Private Krankenversicherung steht ihr dabei weiter als verlässlicher Partner zur Seite.

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