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Klassik und Jugend- passt das zusammen?

Klassik und Jugend- passt das zusammen?
Klassik und Jugend- passt das zusammen?
Foto: FabrikaSimf/Shutterstock

Amadeus Templeton und Boris Matchin als Gründer von TONALi im Interview

Jugend und klassische Musik, für viele passt das nicht zusammen. Warum?

Aus der Perspektive vieler Jugendlicher ist das Image der Klassik mehr als angestaubt. Viele glauben, Klassik ist eine Musikrichtung für Konservative, für Spießer oder Langweiler. Und ─ um ehrlich zu sein, kann ich das sogar nachvollziehen.

Das ist aber nur die halbe Wahrheit. Fragt man differenzierter nach, so äußern Jugendliche durchaus Interesse an klassischer Musik. Zumindest ist das unsere Erfahrung.

Ich glaube, vielen Jugendlichen fehlt schlicht der Zugang zur Klassik. Sie hören sie nicht, weil sie diese Musik nicht gut kennen, weder aus ihrem Umfeld, noch aus den Medien und aus der Schule nur sporadisch. Und wer sich doch ins Konzert verirrt, ist umringt von einem metaphorischen „Silbersee“, von Menschen, die sich wundern, dass man als junger Mensch im klassischen Konzert sitzt. 

Wie entstand die Idee zu „TONALi“?

Die Idee zu TONALi hatten Boris Matchin und ich. Wir sind beide ausgebildete Cellisten. Als wir bei Auftritten feststellten, dass die Konzert-Säle immer leerer und die Besucher immer älter wurden, wollten wir etwas verändern. Die Stadt Hamburg tat zu dem Zeitpunkt einiges, um Musikstadt zu werden. Beispielsweise investierte sie in den Bau der kostspieligen Elbphilharmonie.

Einen großen Musikwettbewerb, der junge Musiker und Hörer anziehen und ein großes Konzerthaus füllen konnte, gab es nicht. Eine Lücke!
Einen Wettbewerb zu gründen, der Jugendliche an Klassik heranführt, war da ein logischer Schritt.

Also gründeten wir TONALi als ein Projekt kultureller Bildung.Und zwar, indem wir ein Konzept entwickelten, dass Spitzenförderung nutzt, um Breitenbildung zu betreiben. Der Wettbewerb ist also nur Mittel zum Zweck. Viel wichtiger als der Gewinner ist, dass TONALi tausende Schüler mit jungen Wettbewerbsteilnehmern zusammenbringt. Die Schulklassen werden Partner einzelner Musiker und organisieren eigenverantwortlich zahlreiche Konzerte. Das macht sie stolz und weckt Begeisterung für den eigenen Paten-Musiker und die klassische Musik.

Dieses Jahr liegt der Schwerpunkt auf dem Cello, welche Ideen gibt es für die kommenden Jahre?

Da wir ja selber Cellisten sind (lacht), fiebern wir natürlich dem Cello-Wettbewerb besonders entgegen. Der TONALi-Instrumentalwettbewerb sucht hochbegabte Nachwuchsmusiker, die eine solistische Karriere anstreben. Die großen Solo-Instrumente klassischer Musik sind das Klavier, die Geige und das Cello. Diese drei Instrumenten-Schwerpunkte wechseln sich bei TONALi ab. So war das zumindest bisher. Es gibt aber auch Pläne, diese Struktur zu gegebener Zeit einmal zu durchbrechen und ein anderes Instrument zu präsentieren, das möglicherweise durch TONALi in ein neues Licht gerückt werden könnte.

Was raten Sie Jugendlichen, damit sie ihre Leidenschaft zur Musik ausleben?

Jugendliche sollten sich selbst zutrauen und anderen gegenüber herausnehmen, sich eigenständig um Musik zu kümmern. Das kann bedeuten, dass sie als Konzertorganisatoren, als Mitspieler oder als Musiker aktiv werden. Denn auf diese Weise leben sie ihre Leidenschaft und stecken damit andere an. Wer klassische Musik großartig findet, kann selbst dafür sorgen, dass sie wahrgenommen wird, stattfindet und letztlich auch gehört wird. Diese Art der Übernahme von Verantwortung für die eigene Leidenschaft ist keine Frage des Alters.  

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Wie ein Vulkan: Dimitry Masleev

Im „Kleinen Saal“ der imposanten Elbphilarmonie zeigte der Ausnahmepianist seine Leidenschaft für die Musik und meisterte ein Soloprogramm rund um Chopin.

Mit Werken von Beethoven bis Filtsch umfasste Masleevs Programm mehrere Jahrhunderte Musikgeschichte. Den Abend gestaltete der zierliche 30-Jährige facettenreich, was die Zuhöhrer ihm dankten. Nach jedem Stück tobender Applaus.

Mit seiner hervorragenden Technik vermag Dimitry Masleev am Klavier ganze Tableaus zu entwerfen, mal als temperamentvolle Mazurka oder als vollgriffige Polonaise, als Reverenz vor Chopin oder als innig lyrische Romanze.

Die Nähe zu Chopins Scherzi ist unüberhörbar.

Bei allem Feuer und Überschwang mancher Stücke ist die Dynamik im überakustischen „Kleinen Saal“ der Elbphilarmonie dimensioniert, nur selten wird der Klang des Flügels grell.

Auch eine Rarität hatte Masleev im Programm: ein b-Moll Impromptu des mit nur 14 Jahren gestorbenen Chopin-(Lieblings-) Schülers Carl Filtsch. Die Nähe zu Chopins Scherzi ist unüberhörbar, aber auch das riesige Talent des jungen Komponisten.

Aufbegehrend düster, mit halsbrecherisch virtuosen Läufen kommt Filtsch’ Impromptus daher. Dmitry Masleev fühlte sich hörbar wohl dabei. Noch mehr aber legte er sich am Schluss ins Zeug bei Liszts „Rhapsodie espagnole“, stürzte sich mit Lust in die wilden, schwierigen Akkord-Kaskaden und erfreute mit zart-sphärischen, glöckchenartigen Pianoklängen. Riesiger Applaus und vier Zugaben.

Dimitry Masleev in der Elbphilharmonie. Foto: Primavera Consulting
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